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#4GenderStudies: Vom Aktionstag zum Projekt

Ziel dieses Projektes ist es, Studierende selbst zu Wort kommen zu lassen und ihre Aussagen bezüglich des aktuellen Angebots und der Relevanz von Gender Studies und Intersektionalität, sowie ihre Wünsche an diese, zu kollektivieren, auszuwerten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ausgehend davon haben wir uns für qualitative, leitfadengestütze Interviews mit Studierenden verschiedener Fachbereiche an Berliner Universitäten entschieden und diese anschließend, angelehnt an die Inhaltsanalyse nach Mayring, ausgewertet (Mayring, 2010).

Die Auswahl unserer Interviewpartner*innen entstand aus unseren bereits bestehenden Kontakten in den verschiedenen Fachbereichen. Methodisch haben wir uns für die Durchführung der Interviews an Peer-to-Peer-Ansätzen orientiert, nach welchen Interviewte durch die empfundene relative Vertrautheit und geteilte Erfahrungen offener und tiefgründiger über sensible Themen sprechen, als wenn sie die interviewende Person nicht als Peer wahrnehmen würden (Byrne et al., 2015). Insofern haben wir für unsere Interviews bewusst Personen aus unseren Bekanntenkreisen angefragt, zu denen bereits eine Peer-Beziehung aufgebaut wurde. Daher handelt es sich nicht um eine durchschnittliche Gruppe von interviewten Studierenden, sondern es ist ein klarer Bias aufgrund unserer Bekanntenkreise zu erwarten.

In unseren Interviewanfragen, sowie während der Interviews wurde unseren Interviewpartner*innen offengelegt, was der Inhalt und das Ziel unserer Arbeit ist. Jede*r von ihnen hat dem Interview freiwillig zugestimmt und wurde darauf hingewiesen, das Interview jederzeit abbrechen und zurückziehen zu können. Vor der Veröffentlichung haben wir den Partner*innen die finale Arbeit, mit Interviews und Zitaten, zur Verfügung gestellt und ihre Einwilligung zur Veröffentlichung erhalten. Um die Anonymität der Interviewten zu gewährleisten, haben wir ihre Namen aus den Interviews entfernt und sie lediglich mit Nummern versehen. Bei den auf Social Media veröffentlichten Zitaten haben wir uns dafür entschieden, statt Nummern Buchstaben als Quasi-Initialen zu verwenden und die jeweiligen Fachbereiche zu nennen.

Ursprünglich hatten wir 13 Interviews zugesagt bekommen. Ein Interview (Nr. 7, Medien und politische Kommunikation) wurde erst im späten Verlauf der Interviewphase abgesagt. Wir haben es aber dennoch zur Transparenz in der Auflistung der angefragten Interviews belassen. Daher fanden schlussendlich 12 Interviews aus je einem Fachbereich statt.

Wie bei allen qualitativen Erhebungen, lässt sich auch hier aufgrund der Größe der Stichprobe nicht auf die Allgemeinheit schließen. Dafür lassen sich jedoch individuelle Sinnzusammenhänge und Beweggründe der Studierenden verstehen und geben uns daher ein tiefgehendes und komplexes Bild ihres jeweiligen Verhältnisses zu Gender Studies und Intersektionalität.

Die leitfadengestützten, schriftlichen Interviews wurden per Chat geführt und anschließend, angelehnt an die Inhaltsanalyse nach Mayring, ausgewertet. Um Übereinstimmungen in den geführten Interviews ersichtlich zu machen, haben wir in mehreren Durchgängen induktiv Kategorien gebildet und diese systematisch ausgewertet. Da es sich bei dieser Arbeit nicht um eine vollständig wissenschaftliche Erhebung, sondern vielmehr um eine blitzlichtartige Beleuchtung der (interdisziplinären) Bedeutung und Relevanz von Gender Studies, sowie Intersektionalität an Berliner Universitäten handelt, haben wir uns entschieden, diese Erhebung nicht an eine Theorie anzubinden. Vielmehr haben wir auf Grundlage der Kategorien Anhaltspunkte für eine weitere Auseinandersetzung mit diesem Thema ziehen können und hoffen, darüber zu einer Weiterentwicklung der Gender Studies beitragen zu können.

Im Folgenden werden die Fragen unseres Leitfadens gemeinsam mit den jeweiligen Erkenntnisinteressen abgebildet:

Frage

Erkenntnisinteresse

Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

Studienbezogene Angaben zur Person

Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

bisherige persönliche Erfahrung mit Gender Studies bzw. relevanten Themen

Wird sich in deinem aktuellen Studium mit diesen Themen auseinandergesetzt? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

Erfahrungen im aktuellen Studium

Welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

generelle Relevanz fürs alle Fachbereiche

Auf welchen Ebenen wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden...

Ebenen der Relevanz, Implementierungsmöglichkeiten

Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

Quote-Fishing


Bei einigen Interviews konnten wir an die Fragen der OpenMic-Veranstaltungen des MvBZs anknüpfen und diese für fachbereichsbezogene Fragen an die Studierenden ableiten.

Fachbereich

Kernaussage

Frage

Physik

Verbindung von Geschlecht und Naturwissenschaften

Wie lassen sich Geschlecht oder ander Kategorien sozialer Ungleichheit und Naturwissenschaften für dich verbinden?

Jura

Auseinandersetzung mit Verfassungsrecht & Urteilen (z.B. drittes Geschlecht)

Verfassungsrecht im Zusammenhang mit Gender - Was war für dich das spannendste Urteil und warum?

Technik-
soziologie

Im Video eher auf EU-Policies fokussiert

Du setzt dich in deinem Studium mit dem Verhältnis von Technik und Gesellschaft auseinander - Was hat Technik für dich mit Geschlecht zu tun?

Philosophie

Philosophie als scheinbar neutral, aber neuere Ansätze wie z.B. feminst philosophy - Was ist Geschlecht?

 

Warum ist eine Auseinandersetzung mit Gender in der Philosophie wichtig?

Lateinamerika-Institut

Lange Tradition am LAI - ehem. Frauen- und Geschlechterforschung (z.B. feministische Bewegungen in LA)

Politik-
wissenschaft

zentraler Punkt von Intersektionalität: Fragen fragen, die nicht gestellt werden/wurden

Prof. Çağlar hat im Rahmen der Open Mic Runde einen kleinen Vortrag gehalten. Sie hat ihren Vortrag mit der Frage beendet: „Welche Frage wurde nicht gestellt? Was wurde warum ausgelassen?“ Welche Fragen würdest du sagen, werden in der Politikwissenschaft an der FU nicht gestellt, die du gerne selbst stellen würdest oder gerne hättest, dass sie andere stellen?

Die Auswertung der Interviews hat nach zweifacher Sichtung 17 Kategorien ergeben, die in mindestens zwei der Interviews vorkamen. Um die Themenbestimmung von den Antworten der Interviewten ausgehen zu lassen, haben wir auch Kategorien aufgenommen, die nur indirekt mit der Fragestellung oder dem Ziel des Projekts zu tun haben, da diese als wichtig angesehen wurden und somit einen Teil der Studierendenperspektive darzustellen scheinen.

Im Folgenden wird eine kurze Übersicht zu der Auswertung der Interviews allgemein gegeben. Danach wird näher auf vier Oberkategorien eingegangen, die wir im Nachgang der Kategorienbildung herausgearbeitet haben und deren Wichtigkeit und Zusammenhänge kontextualisiert werden sollen.

Ähnlich wie die vorangegangenen Interviews der OpenMic Veranstaltung des MvBZs haben auch alle interviewten Studierenden die Wichtigkeit von Gender Studies in ihren jeweiligen Fachbereichen betont und sich mit den Themen beschäftigt, sowohl intern als auch extern des Studiums. Hier zwei Beispiele aus den Interviews:

Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit Diskriminierungsformen und Machtstrukturen[1] aller Art. (Interview 4)

Also mit Themen wie Gender und Race hab ich mich eigentlich schon immer beschäftigt, auch einfach identitätsgebunden. (Interview 11)

Diese Erkenntnis ist eine wichtige Grundlage für uns, auf denen die restlichen Erkenntnisse aufbauen, da dies bedeutet, dass alle Befragten (Vor-)wissen bezüglich Gender Studies haben und deswegen in der Lage sind, die Wichtigkeit in ihrem Fachbereich und allgemein zu evaluieren. Wir können die Befragten damit als Expert*innen der Studierendenperspektive auf Gender Studies in ihrem Fachbereich werten, ohne den Anspruch zu haben, repräsentative Ergebnisse für die gesamte Studierendenschaft zu erlangen. Die Befragten schätzen vielmehr den Ist-Zustand ein, bewerten Positives als auch Negatives und bringen Wünsche und Forderungen ein, die wir auf Grund des (Vor-)wissens und vorangegangenen Auseinandersetzungen nutzen können.

Ob und wie sich letztendlich im Studium mit Genderfragen auseinandergesetzt wird und welche Erfahrungen diesbezüglich die Studierenden im Studium gemacht haben, wird unter Punkt 3.1. weiter erläutert. Außerdem wird darauf eingegangen, auf wessen Initiative die Themen eingebracht werden, Problematiken daran und die Verantwortlichkeit von Universitäten, Lehrstühlen und Dozierenden, siehe dazu Punkt 3.2.

Eine weitere spannende Erkenntnis, die näher erläutert werden soll, ist das Intersektionalitätsverständnis, auf dem die Befragten ihre Einschätzungen aufbauen. Dabei geht es nicht nur um Theorie und/oder Praxis, sondern auch welche Kategorien beispielsweise vermehrt genutzt oder für wichtig empfunden werden. Dazu mehr unter Punkt 3.3.

Zuletzt möchten wir unter Punkt 3.4. einen Ausblick auf die Forderungen der Befragten geben und welche Veränderungen als notwendig gesehen werden, um Gender Studies und Intersektionalität besser und authentischer in Uni-Strukturen und den jeweiligen Fachbereichen einzubringen.


[1] Als solche von uns identifizierbare Schreibfehler wurden der Lesbarkeit halber in den Transkript-Exzerpten unmarkiert korrigiert. Sonstige Modifikation der Zitate wurden gekennzeichnet, z.B. weggelassene Passagen mit […]. Die Transkripte sind in der unveränderten Originalform angehängt.

Um die Bedeutung von Gender Studies für die Studierenden in ihren jeweiligen Fachbereichen zu erheben, haben wir jede*n von ihnen nach ihren Erfahrungen, Eindrücken und ihren Meinungen zum Umgang mit den Themen Gender Studies und Intersektionalität befragt.

Übergreifend waren sich alle Studierenden über die Relevanz von kritischen Themen für ihren eigenen sowie für alle anderen Studiengänge einig. Die Relevanz wurde dabei auf vielen verschiedenen Ebenen betont. Beispiele dafür sind eine Bereicherung von Perspektiven durch kritische Themen, eine bessere Forschungsethik und ein Verständnis zu Hintergründen um die Entstehung von Wissen. Auch können kritische Themen dazu beitragen, Machtstrukturen besser zu verstehen und dadurch abzubauen. Hier zwei Beispiele:

In meinen Augen hat jedes Fach, welches sich nicht mit solchen Themen auseinandersetzt ein Defizit. (Interview 6)

Ich denke diese Form des kritischen Denkens kann uns alle, egal welches Fach, voranbringen, da es sowohl Forschungsethik ausmacht wie kritisches Denken. (Interview 13)

Die konkrete Auseinandersetzung mit diesen Themen fällt in den Studiengängen jedoch sehr unterschiedlich aus. Die Erfahrungen der Studierenden reichen von:

Es gibt mehrere Seminare zur Auseinandersetzung mit diesen Themen. Ich denke nicht, dass etwas fehlt. (Interview 12)

Bis hin zu:

Ich hab das Gefühl, es gibt sehr gute spezialisierte Seminare, die sich nischig damit auseinander setzen, aber in den großen Einführungsvorlesungen usw. fehlt das Thema Gender meistens ganz… (Interview 8)

Während die Intensität der Auseinandersetzung über die Fachbereiche sehr unterschiedlich zu sein scheint, ergibt sich aus den Interviews ein recht klares Bild, was die Verankerung von Gender Studies im allgemeinen Lehrplan der Studiengänge betrifft. Übergreifend wurde in den Interviews klar, dass Themen von Gender Studies und Intersektionalität selten bis gar nicht integraler Bestandteil des Studiums sind. Das bedeutet konkret, dass diese Themen nicht Teil der Pflichtkurse sind, sondern als optionale Angebote existieren, welche Studierende wählen können. Zwei Drittel der Interviewten beschreiben, dass es bei ihnen zwar ein Angebot gäbe, dieses aber kein integraler Bestandteil des Studiums, beziehungsweise nur optional oder beschränkt zugänglich sei.

Gender Studies und Themen der Intersektionalität nicht in den Pflichtlehrplan einzubeziehen, selektiert hierbei nicht nur die Studierenden nach ihren Interessen und Betroffenheiten, sondern führt durch die allgemeinen Rahmenbedingungen des Studiums (z.B. Zeitdruck durch Bafög oder Stipendien) dazu, dass das Belegen kritischer Lehrinhalte nicht gefördert, beziehungsweise sogar behindert wird.

Viele Studierende wünschen sich eine stärkere Verankerung dieser Themen im Lehrplan. Dieser Wunsch drückt sich unter anderem in der Eigeninitiative der Studierenden aus. Mehr hierzu im Abschnitt 3.2. Ein Drittel der Interviewten hingegen spricht von einem vielfältigen, beziehungsweise vergleichsweise guten Angebot und sieht Gender Studies als integralen Bestandteil ihres Studiums.

In einigen Fällen schilderten uns die Studierenden, dass Diskriminierung nach wie vor Teil ihres Studiums sei. Hierbei ist natürlich klar, dass auch die Universitäten nicht im luftleeren Raum schweben und sich erwartungsgemäß auch Macht- und Diskriminierungsstrukturen hier spiegeln. Klar wird hierdurch jedoch, auf welchen Ebenen Gender Studies und Intersektionalität an Universitäten eine wichtige Rolle spielen. Eine Interviewperson schilderte uns im Kontext ihres Studiums am Beispiel der Auseinandersetzung mit Femiziden im Fachbereich Jura folgendes:

Das gesamte Studium ist für mich eher darauf ausgerichtet gesellschaftliche Missstände aufrecht zu erhalten (Interview 4)

In einem weiteren Interview aus dem Fachbereich der Humanmedizin geht die Person auf den Lehrplaninhalt ein und beschreibt, wie Transfeindlichkeit weiterhin Teil der Lehre ist:

Allerdings ist die Auseinandersetzung mit der Thematik Trans, um ein Beispiel zu nennen, selbst sehr diskriminierend und von transfeindlichen Strukturen/Denkweisen durchzogen. (Interview 10)

Um ein tieferes Verständnis über die Strukturen zu erhalten, in denen Gender Studies ausgehandelt und wo die Interviewten Erfahrungen mit Gender Studies gemacht haben, schien es folglich wichtig zu betrachten, woher Studierende konkret ihr Wissen erhalten und wo Diskurse über Gender Studies geführt werden. Deshalb haben wir die Studierenden außerdem dazu befragt, wie sie zu Themen der Gender Studies gekommen sind und welche Möglichkeiten der Auseinandersetzung das Studium liefert, sowohl im klassischen Sinne, beispielsweise in Seminaren und Vorlesungen, aber auch darüber hinaus. Insgesamt zeigte sich eine klare Tendenz, dass die  Präsenz von kritischen Themen stark an Einzelpersonen gekoppelt zu sein scheint. Das Eigenengagement sowohl von Dozierenden, als auch von Studierenden(-initiativen) war für das Angebot innerhalb der einzelnen Studiengängen eine ausschlaggebende Komponente.

Aus den Interviews ergab sich, dass ein Großteil der Interviewten mit Themen der Gender Studies über Eigeninitiativen von Studierenden in Kontakt gekommen sind, beispielsweise durch Veranstaltungen von Fachschaften. Darüber hinaus organisieren Studierende sich selbst in Arbeitsgruppen und organisieren Tutorien, um kritische Themen anzusprechen, auch bezogen auf den eigenen Fachbereich, und um Räume für Auseinandersetzung zu schaffen.

Deshalb gab es an meinem Institut auch eine durch Studierende organisierte AG zu Antirassistischen Geographien, die sich eigenständig mit Rassismus, sowohl fachlich als auch am geographischen Lehrstuhl beschäftigt hat. (Interview 2)

Eine Auseinandersetzung mit einer machtkritischen Perspektive [...] gibt es (fast) gar nicht. Und wenn doch, dann oftmals eher durch/über studentische Initiativen (wie beispielsweise ein von Studis initiiertes Tutorium). (Interview 10)

Viele erste Berührungspunkte mit den Gender Studies fanden auch in (kritischen) Einführungsveranstaltungen statt, die von der Studierendenschaft organisiert wurden.

Im Rahmen des Studiums gab es auf der Erstifahrt ein paar Workshops zu genderspezifischen Themen, die ich besucht habe. (Interview 5)

Dass diese Studierendeninitiativen in mehr als der Hälfte der Interviews genannt werden, zeigt, welchen wichtigen Einfluss sie für die Studierenden gespielt haben. Die Räume zur Auseinandersetzung schaffen Studierende also oftmals selbst. Diesen Raum mit eigenen Mitteln zu gestalten, steht im Vordergrund. Dieses Ergebnis knüpft auch an einen weiteren Befund unserer Interviews an: In einigen Interviews betonen die Studierenden den Wunsch nach einer stärkeren Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und aller Betroffenen:

Daher denke ich, dass ein ständiger Austausch und Vernetzung enorm wichtig sind, um diese Strukturen zu verändern. (Interview 2)

Wie sehr die Interviewten Initiative und Austausch betonten, zeigt eine starke Bereitschaft von Seite der Studierenden auf, Themen der Gender Studies Raum zu geben und diese innerhalb der Universität auszuhandeln. Welche Wünsche und Vorstellungen die Interviewten dabei konkret äußerten, folgt in 3.4.

Ein weiterer Ort, an dem die Interviewten mit Themen der Gender Studies in Berührung kamen, ist das Seminar. Drei Studierende berichteten von Angeboten in ihren Seminaren, diese waren jedoch stark an die einzelnen Dozierenden gekoppelt. Dadurch, dass Seminarleiter*innen maßgeblich entscheiden, welche Inhalte besprochen werden und anhand welcher Texte diskutiert wird, öffnet sich in der Seminarausgestaltung ein Handlungsspielraum für Dozierende.

Ob wir uns kritisch mit z.B. Intersektionalität auseinandergesetzt haben, hing in meinen Kursen oft am Engagement der einzelnen Dozierenden. (Interview 2)

Auch hier wird die Initiative Einzelner betont und nicht universitär vorgegebene Strukturen. So löblich diese Eigeninitiative auch ist, so stark birgt sie auch Risiken. Dass die Angebote zu Gender Studies und Aushandlungsräumen erst durch Einzelpersonen geschaffen werden, macht sie zu einer Optionalität und keiner Notwendigkeit. Hinzu kommt bei jeder Frage der Eigeninitiative, sowohl von Studierenden als auch Dozierenden, die Frage nach Ressourcen und Prekarität. Sowohl wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, als auch Studierende selbst sind oft in prekären Arbeitsverhältnissen und gegebenenfalls selbst von Diskriminierung betroffen. Besonders dadurch wird die Eigeninitiative zu einem Zustand, der nicht als selbstverständlich gelten kann und soll. 

Wie in unserer Einleitung bereits thematisiert, beruht unser Verständnis einer differenzierten Auseinandersetzung mit Themen der Gender Studies auf intersektionalen Ansätzen, welche Geschlecht nicht als alleinstehende Analysekategorie, sondern als verwoben mit anderen Dimensionen wie z.B. Klasse und Rassifizierung sehen. Dieses Verständnis wird auch von vielen der von uns interviewten Studierenden vertreten. Intersektionalität wurde in den Interviews sowohl als wissenschaftliches Konstrukt in der Theorie, als auch als umzusetzende Praxis relevant gemacht. Interessant war u.a., welche Diskriminierungskategorien und Machtstrukturen von den Interviewten als besonders relevant erachtet wurden. In Auseinandersetzungen mit Intersektionalität gibt es oft die “Big 3”: gender, race, class. Bei Fragen zur Zusammenwirkung von unterschiedlichen Dimensionen, wenn es um Geschlechterfragen geht, wurden unterschiedliche genannt, aber besonders wurden materielle Verhältnisse mehrfach hervorgehoben. Von mehreren Studierenden wurden kapitalistische Strukturen als fundamental für existierende Diskriminierungs- und Machtstrukturen beschrieben und dass daher ein strukturell diskriminierungskritischer Ansatz zu Geschlechterthemen Klasse und materielle Bedingungen als zentral behandeln muss:

Intersektionalität, wie sie jetzt gelehrt wird, versteht Class als eine Intersektion unter vielen. Ich würde sagen, dass damit schon ein entscheidender Schritt in Richtung Entradikalisierung gegangen ist. (Interview 1)

Solange wir grundlegende Macht-/Herrschaftsstrukturen nicht verändern (können), die unser gesellschaftliches Miteinander entscheidend bestimmen (Produktions- und Reproduktionsverhältnisse --> Kapitalitmus), wird das Ringen um die Implementierung intersektionaler Perspektiven und das Bemühen, Diskriminierung möglichst klein zu halten, immer an Grenzen stoßen. (Interview 10)

Als Theorie sahen Studierende Intersektionalität als eine Grundlage für gute Wissenschaft. Genannt wurde als einer der Gründe, dass in der Wissenschaft bestehende gesellschaftliche Unterdrückungsmechanismen (re-)produziert werden und ein intersektionaler Ansatz notwendig sei, um diese Realitäten zu reflektieren und wissenschaftlich korrekt zu arbeiten:

Soziale und materielle Bedingungen beeinflussen alle Wissenschaft. Eine Auseinandersetzung mit diesen Bedingungen ist also notwendig, um nicht diese Bedingungen in der jeweiligen Wissenschaft wieder zu produzieren. (Interview 1)

Vor allem für das LAI ist es notwendig, beim Forschen sich zu positionieren und die Privilegien von Klasse, Ethnie, Rasse, Geschlecht usw. anzuerkennen, um nicht in koloniale, rassistische und diskriminierende Praktiken zu verfallen. (Interview 12)

Auch Fragen dazu, wer und wessen Wissen als wissenschaftlich anerkannt wird, sowie auch wessen Lebensrealitäten wissenschaftlichen Wert erhalten, wurden thematisiert. Dies erstrecke sich über den akademischen Raum hinweg auch auf darauf aufbauende Berufe und Tätigkeiten:

Jura beschäftigt sich durchweg mit gesellschaftsrelevanten Themen und durch die einseitig weiße cis het, zumeist männliche Perspektive, die wir dabei einnehmen, geht die Möglichkeit ein gerechteres Rechtssystem zu schaffen verloren. (Interview 4)

Da das Geschlecht in vielen Teilgebieten unseres Lebens eine Bedeutung hat und Einfluss auf unser Handeln und unser Empfinden hat, ist es notwendig in unterschiedlichen Fachbereichen Geschlechter mitzudenken, damit auch alle gesellschaftlichen Gruppen mitgedacht werden. (Interview 9)

Hier finden sich Überlappungen zu Aussagen zur Intersektionalität als Praxis. Viele Interviewte hatten einen Blick, der über die reine Verankerung von Intersektionalität oder geschlechterbezogenen Themen in der Wissenschaft hinausging, sondern auch konkrete Handlungen zur Umsetzung der theoretischen Überlegungen forderte. Innerhalb der Universität wurden bspw. Machtgefälle und Diskriminierungsstrukturen zwischen Dozierenden und Studierenden, aber auch zwischen Kommiliton*innen bzw. Kolleg*innen angesprochen, die es zu ändern bedürfe:

Ich habe den Eindruck, dass universitäre Strukturen oft etwas träge funktionieren und dass es auch innerhalb der Institute Machtgefälle gibt, grade auch zwischen den alteingesessenen Professor*innen und den jüngeren Dozierenden […] sowie den Studierenden. (Interview 2)

Gerade in der Physik, aber auch teilweise anderen Naturwissenschaften, herrscht nach wie vor ein sehr hoher Männeranteil im Studium, was sicherlich stark mit dem Selbstverständnis/der Barrierefreiheit […] der Wissenschaft auf diesem Gebiet an sich zusammenhängt. (Interview 5)

Was auf jeden Fall immer wieder und wieder auftaucht: Es darf nicht bei der Theorie bleiben, sondern es muss gehandelt werden.

 

Hm — vielleicht sowas, dass Sachen nicht nur theoretisch reflektiert, sondern auch in der konkreten Wissenschaftspraxis konsequent umgesetzt werden. (Interview 8)

Es muss um mehr gehen, als eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema. (Interview 10)

Wie bereits beschrieben, zeigen die Ergebnisse der Befragung deutlich, dass Studierende die Relevanz von Gender Studies und Intersektionalität für ihre jeweiligen Fachbereiche erkennen und in manchen Studiengängen durchaus bereits eine gute und integrale Auseinandersetzung stattfindet. Es herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, wie gut diese Themen in den Lehrplänen verankert sind. Kurse mit Gender- oder Intersektionalitätsbezug sind oft nur optional als Wahlmodule im Curriculum zu finden. Darüber hinaus gibt es auch kritische Stimmen, die darauf hinweisen, dass in vielen Studiengängen das Thema Gender sogar weitgehend ignoriert wird.

Diese Diskrepanz zwischen den einzelnen Studiengängen zeigt die Notwendigkeit, Gender Studies und Intersektionalität in den Lehrplänen besser zu verankern. Die Studierenden haben teilweise klare Vorstellungen darüber, welche Veränderungen erforderlich sind und wünschen sich eine tiefgreifendere Integration von Gender Studies und Intersektionalität in den Lehrplan. Die Wichtigkeit für die Fachbereiche ist den Studierenden durchaus bewusst und sie betonen, dass die Themen für alle Studiengänge Relevanz haben:

In meinen Augen hat jedes Fach, welches sich nicht mit solchen Themen auseinandersetzt, ein Defizit. (Interview 6)

Ziel dieser Befragung war es vor allem auch, die Wünsche der Studierenden zum einen bezüglich der Verknüpfung und Einbettung von Gender Studies sowie Intersektionalität in den jeweiligen Studiengängen der Studierenden, aber zum anderen auch hinsichtlich der Verbesserung von Universitätsstrukturen im Allgemeinen zu erheben.

Dazu haben wir die Studierenden gefragt, welchen Mehrwert die Auseinandersetzung mit intersektional praktizierenden Gender Studies im eigenen Studiengang aber auch fächerübergreifend haben könnte und was nötig wäre, diesen Mehrwert zu erreichen.

In den Interviews wurde deutlich, dass einige der befragten Studierenden ein großes Problem darin sehen, dass in einigen Fällen nach wie vor Diskriminierung im Studium stattfindet. Darüber hinaus sehen die Studierenden die Notwendigkeit, die Machtstrukturen an der Universität zu überdenken und fordern eine umfassende Auseinandersetzung bzw. formulieren den Wunsch, dass Machtstrukturen und deren Wirkungen und Dynamiken an der Universität dezidiert in den Fokus gerückt werden:

Ich habe den Eindruck, dass universitäre Strukturen oft etwas träge funktionieren und dass es auch innerhalb der Institute Machtgefälle gibt, grade auch zwischen den alteingesessenen Professor*innen und den jüngeren Dozierenden […] sowie den Studierenden. (Interview 2).

Die Studierenden betonen auch die Bedeutung von Schulungen für Professor*innen und Dozierende, um ein besseres Verständnis für Gender Studies und Intersektionalität zu fördern. Sie fordern ein Umdenken in der Lehrweise und eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Lehrenden:

Sowohl im Syllabus wie in der Zulassung wäre es notwendig, vor allem würde ich aber Schulungen auch von Profs (nicht von Lehrbeauftragten, außer die bekommen das als entlohnte Arbeitszeit) einführen. (Interview 13)

Andere Studierende wiederum sind der Meinung, dass die Universität als Ort der Aufrechterhaltung von ungleichen Machtstrukturen komplett reformiert werden muss. Hier wurde beispielsweise auch die Zulassung zum Studium genannt, da hier besonders marginalisierten Personen oft der Zugang verwehrt bleibt:

Ein Mehrwert wäre bestimmt der Abbau von Machtstrukturen und Diskriminierung und eine Verbesserung der Forschung durch erleichterten Zugang zu Strukturen. (Interview 5)

Einige der befragten Studierenden wünschen sich aber auch praktische Veränderungen innerhalb des Machtgefüges an der Universität und geschlechtergerechte Hochschulpolitik. Dies beinhaltet, um eines der genannten Beispiele zu erwähnen, die Problematik, dass MINT-Fächer nach wie vor männlich dominiert sind und einen Gender Bias aufweisen:

Gerade in der Physik, aber auch teilweise anderen Naturwissenschaften herrscht nach wie vor ein sehr hoher Männeranteil im Studium, was sicherlich stark mit dem Selbstverständnis/der Barrierefreiheit […] der Wissenschaft auf diesem Gebiet an sich zusammenhängt. Hier könnte ein Umdenken zu positivem strukturellen Wandel führen. (Interview 5)

Dies betrifft nicht nur die Studierenden selbst, „[w]enn es wirklich darum geht diskriminierende Strukturen aufzubrechen, dann müsste ein kritischer Blick überall in der Lehre verankert sein.” (Interview 6):

Es gibt glaube auch immer noch ziemlich Probleme für weibliche/flinta Personen die eine Professur wollen oder so. Sich da durchzuschlagen ist glaube immer noch ziemlich ätzend, weil es doch sehr Männer dominiert immer noch ist. (Interview 11)

Insgesamt wird jedoch klar, dass sich viele der befragten Studierenden eine grundlegende Veränderung der Universitätsstrukturen wünschen. Sie sehen die Universität als eine Institution, die Machtstrukturen aufrechterhält und fordern eine radikale Veränderung. Ein*e Interviewpartner*in drückt dies folgendermaßen aus:

Intersektional praktizierte Gender Studies könnten zu einem grundlegenden Hinterfragen der Strukturen des Faches und der Uni im Allgemeinen beitragen, was inshallah zur Folge hat, dass diese Strukturen radikal verändert werden. (Interview 6).

Die Studierenden erkennen jedoch auch die Herausforderungen und Grenzen, die mit der Implementierung von Gender Studies und Intersektionalität an der Universität verbunden sind. Sie stellen die Frage, wie weit diese Themen in einer vermachteten Gesellschaft wirklich umgesetzt werden können:

Also ich glaube nicht, dass die Uni als Staatsapparat in einer vermachten Welt auf einmal perfekt aka [bzw.] unvermachtet sein kann. (Interview 13)

Solange wir grundlegende Macht-/Herrschaftsstrukturen nicht verändern (können), die unser gesellschaftliches Miteinander entscheidend bestimmen (Produktions- und Reproduktionsverhältnisse --> Kapitalitmus), wird das Ringen um die Implementierung intersektionaler Perspektiven und das Bemühen, Diskriminierung möglichst klein zu halten, immer an Grenzen stoßen. (Interview 10)

Die Wünsche der Studierenden und die notwendigen Veränderungen werden im Kontext von Machtstrukturen an der Universität und der Universität als zugangsbeschränkte, elitäre Bildungseinrichtung besonders deutlich. Gender Studies und Intersektionalität können nach Meinung der Befragten aber dazu beitragen, diese Probleme anzugehen und Verbesserungen herbeizuführen. In den Interviews haben sich dazu einige Lösungsansätze abgezeichnet, die hier nochmals kurz zusammengefasst werden sollen:

Integration in den Lehrplan:

Viele der befragten Studierenden wünschen sich eine umfassendere Integration von Gender Studies und Intersektionalität in den Lehrplan. Wie einige der Befragten darstellen, bieten diese Ansätze theoretische Grundlagen und Werkzeuge, um bestehende Strukturen zu hinterfragen und zu verändern. Indem sie gender, race, class und andere Faktoren in ihren Analysen berücksichtigen, helfen sie, Diskriminierung sichtbar zu machen und aufzudecken. Außerdem können sie dazu beitragen, neue Perspektiven auf Ungleichheitsverhältnisse in der Wissensproduktion und epistemischer Gewalt, sowie Universität als Ort der Aufrechterhaltung eben dieser Strukturen zu erkennen und zu entwickeln. Deshalb sollten nach Angaben der befragten Studierenden diese Themen nicht nur in spezialisierten Seminaren behandelt werden, sondern in allen Fachbereichen präsent sein.

Ideen waren hier z.B. eine Implementierung dieser Themen in den Prüfungsordnungen der Grundmodule, eine stärkere Vermittlung von methodischen Kompetenzen zur kritischen Auseinandersetzung mit Wissensproduktion, eine Sensibilisierung des Lehrpersonals… (Interview 2).

Eine Veränderung sähe für mich erstmal so aus, dass sich das Denken von Menschen ändert, durch zusätzliches Wissen (zu den Themen Gender Studies, Intersektionalität,...) und dass sie dadurch z.B. erkennen in welchen gesellschaftlichen Machtverhältnisse sie leben und worauf diese begründet sind. (Interview 3)

Kritische Auseinandersetzung mit und praktische Veränderung von Machtstrukturen:

Die Studierenden beschreiben in vielen der Interviews, dass universitäre Strukturen oft von Machtgefällen geprägt sind. Hierbei spielen sowohl Geschlecht als auch andere Dimensionen wie race und class eine Rolle. Ein Großteil der Befragten fordert deshalb eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Strukturen und betont, dass ein Abbau von Machtstrukturen und Diskriminierung notwendig ist. Dies könnte z.B. durch Veränderung der Zulassungsregelungen, Barrierefreiheit, Schulungen für Professor*innen, transparente Personalpolitik und eine Sensibilisierung des Lehrpersonals, etc. erreicht werden. Hier einige Beispiele der Studierenden der verschiedenen Fachrichtungen:

Ich denke das Aufstellen von Verhaltenskodex im Umgang mit genderspezifischen/diskriminierungsbetroffenen Themen, verpflichtende Schulungen für Lehrpersonal, mehr Module und informelle Veranstaltungen zum Thema (letzteres ist schon relativ gut vertreten) wären hilfreich. (Interview 5)

Vielleicht könnte man so genderspezifische Perspektiven auch in organisatorische Aspekte des Studiums einbringen/ wie Seminare gestaltet sind, um die auch zugänglicher zu machen.
Z.B. dass zu Beginn des Semesters nach bevorzugten Pronomen gefragt wird oder auch dass reflektiert wird, wer sich im Seminar überhaupt traut, was zu sagen/ darauf geachtet wird, dass nicht immer nur cis Typen mega viel Raum bekommen für ihre Wortmeldungen. Auch dass Namensänderungen möglich sind auf Uni-Formularen wäre wichtig. Und mehr all gender Toiletten. (Interview 7)

Vernetzung und Zusammenarbeit:

Die Studierenden betonen die Bedeutung von Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen und Studierenden. Sie sehen darin eine Möglichkeit, Veränderungen einzufordern und eine kritische Auseinandersetzung mit den bestehenden Strukturen zu fördern:

Da das Geschlecht in vielen Teilgebieten unseres Lebens eine Bedeutung hat und Einfluss auf unser Handeln und unser Empfinden hat, ist es notwendig in unterschiedlichen Fachbereichen Geschlechter mitzudenken, damit auch alle gesellschaftlichen Gruppen mitgedacht werden. (Interview 9)

Auch ein Zusammenschluss von Studierenden kann helfen, Änderungen einzufordern, wenn sich am Institut wenig tut [...]. So eine Auseinandersetzung könnte natürlich auch auf Ebene der gesamten Universität stattfinden, wenn sich Gruppen und Studierende verschiedener Fachrichtungen vernetzen. (Interview 2)

Radikale Veränderung der Universität:

Einige Studierende sehen die Universität als eine Institution, die Machtstrukturen oft über Zugangsbeschränkungen, fehlende Barrierefreiheit, etc. aufrechterhält. Sie wünschen sich eine radikale Veränderung der Universitätsstrukturen, die auch die Gleichberechtigung aller Studierenden berücksichtigt. Sie erkennen, dass Gender Studies und Intersektionalität einen Beitrag dazu leisten können, Universität als diskriminierenden Ort zu erkennen und daraus weitere Schritte abzuleiten.

Es bräuchte kritische Lehrinhalte, einen überarbeiteten Syllabus, neues Lehrpersonal, keinen NC, die Möglichkeit zu studieren und gleichzeitig zu arbeiten, ohne direkt von den Mitstudent*innen abgehängt zu werden. (Interview 4)

Wenn wir die Uni als Ort der Wissensproduktion sehen, der als Teil einer Liberation gesehen werden soll und nicht als weitere Institution, die globale und lokale Machtstrukturen aufrechterhält, dann muss das ganze Ding mal umgekrempelt werden… (Interview 6)

Insgesamt hat die Befragung deutlich gemacht, dass der Wunsch nach mehr Genderstudien in den jeweiligen Fachbereichen und eine tiefergehende Betrachtung sehr hoch ist und die Studierenden dies fest im Lehrplan sehen möchten. Dass diese Genderstudien einen intersektionalen Anspruch haben sollten, wurde ebenfalls von den Studierenden als wichtig empfunden. Dies sollte nicht auf einen theoretischen Rahmen begrenzt werden, sondern sich schon im praktischen Umgang und Aufbau an der Universität widerspiegeln. Sie sehen eine konsequente Umsetzung dessen nicht nur als Lösung für Missstände in der Lehre und Forschung, sondern auch als Möglichkeit, Diskriminierungs- und Machtstrukturen an der Universität an sich abzubauen.

Die Hoffnungen der Studierenden sind sehr praktisch und an ihrem eigenen Uni-Alltag orientiert. In der Verantwortung für die Umsetzung dieser Forderungen in die Praxis sehen die Studierenden vor allem die Universität als Institution und nur zweitrangig die Fachbereiche selbst. So fordern sie eine meist radikale Veränderung und Umstrukturierung der Universität an sich, um eine Basis für eine Implementierung zu schaffen.

Unser Appell im Rahmen des Projekts richtet sich deshalb an die Universitäten: Um Gender Studies und Intersektionalität tatsächlich zu integrieren und die Wünsche der Studierenden ernst zu nehmen, müssen Strukturen verändert werden und Gender Studies nicht nur zu einer Option, sondern zu einem elementaren Bestandteil machen.

Byrne, Elaine, et al. “Peer interviewing in medical education research: Experiences and perceptions of student interviewers and interviewees.” BMC Research Notes 8(513), 2015, https://doi.org/10.1186/s13104-015-1484-2. 

Mayring, Philipp. Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken. 11. Ed., Beltz, 2010. 

Nr

Fachbereich

Seite

1

Informatik/Politikwissenschaft

23

2

Geographie

25

3

Soziale Arbeit

28

4

Jura

31

5

Physik

34

6

Sozial und Kulturanthropologie

37

7

Philosophie

39

8

Politikwissenschaft/Deutsch Lehramt

41

9

Humanmedizin

44

10

Techniksoziologie

48

11

Lateinamerikastudien

50

12

Politikwissenschaft

53

R: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation des MvBZs haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren. 

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben.

Eure Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und euch vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch euch bestätigt.

Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

M: ich bin im 12 Bachelor Semester und habe im Prinzip Politikwissenschaften an der FU Berlin abgeschlossen.

R: Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

M: Im meinem Studium und auch außerhalb habe ich Texte zu Intersektionalität aber auch generell Unterdrückungsstrukturen mich viel auseinandergesetzt

R: Wird sich in deinem aktuellen Studium mit diesen Themen auseinandergesetzt? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

M: es gibt ein Angebot an Seminaren zu Feminismus, gelegentlich auch zu race, in denen es Sitzungen zu Intersektionalität gibt. Selten gab es auch Seminare wo es explizit um Intersektionalität geht. Generell ist es natürlich wünschenswert wenn mehr zu der Analyse von Unterdrückungsstrukturen gelehrt wird, allerdings habe ich auch Widerstände gegen die Institutionalisierung von Intersektionalitätstheorien, wie sie mitlerweile gelehrt werde. Ich werde weiter unten darauf eingehen

R: Welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

M: Soziale und materielle Bedingungen beeinflussen alle Wissenschaft. Eine Auseinandersetzung mit diesen Bedingungen ist also notwendig, um nicht diese detdkBedingungen in der jeweiligen Wissenschaft wieder zu produzieren.

R: Auf welchen Ebenen wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden…

M: Die Frage ist, inwiefern Intersektionale Herangehensweisen und intersektionalität als Konzept sich an einer Universität unterrichten lassen, ohne ihre Kritikfähigkeit zu verlieren. Das passiert schon an der Uni, auch im GIP Master. Intersectionalität, wie sie jetzt gelehrt wird, versteht Class als eine intersection unter vielen. Ich wurde sagen dass damit schon ein entscheidender Schritt in Richtung entradikalisierung gegangen ist. Intersektionalität ist nicht mehr die Untersuchung von wie Geschlecht und Race die Klassen Erfahrung/Erfahrung im Kapitalismus prägt. 

Prinzipiell ist es natürlich wünschenswert dass intersektionalität als Methode gelehrt wird, doch zerfällt sie oft nur liberalisiert gelehrt.

R: Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

M: Richtig gekehrt kann es aufzeigen, wie die partikularen und universellen Seiten des kapitalismus zusammenhängen.

Ist das verständlich? Oder soll ich es irgendwo noch spezifizieren

R: Kannst du noch kurz erläutern, was du hier mit den partikularen und universellen Seiten meinst?

M: Also was vereint uns (als nicht kapitalistinnen) unter dem kapitalismus (universell) vs wie sind unsere Erfahrung drastisch anders (partikular)

Also zb weise Europäer die konsessions durch von den Kapitalisten bekommen um sie an die Klasse zu binden ist eine partikulare Erfahrung

R: darf ich bei deinen Studienangaben ergänzen, dass du auch an der TU Informatik studierst? bzw. magst du mir da nochmal deine Eckdaten geben? also Hauptfach/Nebenfach/Doppelstudium, Semesterzahl und so

und falls du Informatik bezogen auch noch was ergänzen willst, kannst du das gerne machen

M: 12 Semester Politikwissenschaften

Mono Bachelor

Informatik hab ich noch nicht genug gemacht wurde ich sagen

R: achso, ich dachte du studierst auch informatik

M: Also ja

Aber nur paar Module und nur online

M: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation des MvBZs haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren.

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben.

Eure Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und euch vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch euch bestätigt. Ist das so okay für dich?

E: Ja :))

M: Dann erstmal zu dir: Was studierst du und in welchem Semester/BA/MA/Promotion bist du?

E: Ich studiere im 6. Semester Geographie als B.Sc.

M: Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

E: In meinem Studiengang sind diese Themen zwar hin und wieder angeklungen, haben aber insgesamt keine große Rolle gespielt. Ob wir uns kritisch mit z.B. Intersektionalität auseinandergesetzt haben, hing in meinen Kursen oft am Engagement der einzelnen Dozierenden. Bei manchen Professor*innen sind räumliche Diskriminierungs- und Machtstrukturen Teil der Forschung, andere setzen sich kaum damit auseinander. Deshalb gab es an meinem Institut auch eine durch Studierende organisierte AG zu Antirassistischen Geographien, die sich eigenständig mit Rassismus, sowohl fachlich als auch am geographischen Lehrstuhl beschäftigt hat und im Austausch mit Dozierenden stand, um bestimmte Themen stärker in den Grundmodulen zu verankern. Meine hauptsächliche Beschäftigung mit Intersektionalität und Diskriminierung fand aber studienextern statt, z.B. durch das Lesen von Büchern und Artikeln.

M: Okay, also würdest du sagen, dass die Themen keinen festen Bestandteil deines Studiums ausmachen, sondern eine Auseinandersetzung damit nur aus Eigeninitiative der Dozent:innen oder Student:innen passiert? Wie stehst du dann zu den Angeboten und Möglichkeiten, sich mit den Themen kritisch zu beschäftigen? Gibt es etwas, das dir fehlt oder was du dir im Studium diesbezüglich wünschen würdest?

E: Genau, soweit ich weiß sind diese Themen kaum in den Lehrplänen verankert und hängen stark von Eigeninitiative ab. Ich würde mir wünschen, dass eine kritische Auseinandersetzung mit Gender und anderen Diskriminierungsformen noch stärker in die Grundmodule, die alle Studierenden durchlaufen, aufgenommen werden. Geographie erforscht ja die Systeme von Gesellschaft und Raum, und gerade auf räumlicher Ebene sollten diese Faktoren meiner Meinung nach immer mitgedacht werden, da sie einen großen Einfluss darauf haben, wer Zugang zu welchen Räumen erhält. Zwar hat mein Institut einen eigenen Lehrstuhl für Gender und Geographie, jedoch ist die Stelle vorerst befristet und die angebotenen Kurse sind z.T. nur für Masterstudierende wählbar.

M: Okay, spannend! Was glaubst du, welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

E: Ich glaube, dass die Auseinandersetzung mit Diskriminierungs- und Machtstrukturen in allen Studiengängen eine Rolle spielen sollte - um diesen Strukturen entgegenzuwirken, die sich in alle Bereiche des Lebens erstrecken. Klar bieten sich gesellschaftliche Studiengänge besser für eine Beschäftigung an, aber auch z.B. naturwissenschaftliche oder medizinische Forschung wurde in der Vergangenheit vorrangig durch Männer geprägt und veröffentlicht, was sich auf das Wissen auswirkt, auf das wir heute zurückgreifen können. Zudem sind heute noch viele Machtpositionen, in Universitäten aber auch außerhalb davon, von weißen Männern besetzt, was sich erst durch eine möglichst breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Diskriminierungsstrukturen ändern kann

M: Und auf welchen Ebenen wäre es dafür nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um an den universitären Strukturen Veränderungen zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden… Mich würde auch die AG zu Antirassistischen Geographien interessieren!

E: Ich habe den Eindruck, dass universitäre Strukturen oft etwas träge funktionieren und dass es auch innerhalb der Institute Machtgefälle gibt, grade auch zwischen den alteingesessenen Professor*innen und den jüngeren Dozierenden, die kritischere Perspektiven mitbringen, aber nur befristet angestellt sind, sowie den Studierenden. Daher denke ich dass ein ständiger Austausch und Vernetzung enorm wichtig sind, um diese Strukturen zu verändern. Auch ein Zusammenschluss von Studierenden kann helfen, Änderungen einzufordern, wenn sich am Institut wenig tut.

An meinem Institut gab es z.B die studentischen AG Antirassistische Geographien,  die eine Umfrage an alle Studierenden der Uni verschickt hat, um herauszufinden, wie die Studierenden den Umgang mit Rassismus in ihrem Studiengang wahrnehmen. Davon ausgehend wurde überlegt, wo am Institut eine tiefergreifende Auseinandersetzung mit Diskriminierung verankert werden kann, und Forderungen aufgestellt. Ideen waren hier z.B. eine Implementierung dieser Themen in den Prüfungsordnungen der Grundmodule, eine stärkere Vermittlung von methodischen Kompetenzen zur kritischen Auseinandersetzung mit Wissensproduktion, eine Sensibilisierung des Lehrpersonals (z.B. durch Workshops), ein eigener Lehrstuhl für Postkolonialismus, eine*n Rassismusbeauftragte*n am Institut, eine transparente Personalpolitik und eine konkrete Auseinandersetzung des Instituts mit seiner eigenen Kolonialgeschichte. So eine Auseinandersetzung könnte natürlich auch auf Ebene der gesamten Universität stattfinden, wenn sich Gruppen und Studierende verschiedener Fachrichtungen vernetzen.

M: Okay vielen Dank für den Einblick! Eine letzte Frage noch: Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

E: Intersektional praktizierte Gender Studies im Studiengang Geographie können räumliche Macht- und Diskriminierungsstrukturen in verschiedenen Forschungsbereichen und Skalen offenlegen, Bewusstsein für diese schaffen und somit neue Strukturen ermöglichen, die Diskriminierung und Machtgefällen entgegenwirken.

M: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation des MvBZs haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren. 

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben.

Eure Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und euch vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch euch bestätigt. Ist das so okay für dich?

J: Bin bereit :-)

M: Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

J: Ich studiere Soziale Arbeit an der ASH in Berlin und komme jetzt ins 3. Semester

M: Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

J: Ich denke, dass diese ganzen Themen mir immer mal wieder begegnet sind bzw. begegnen -  z.B. während meines FSJs oder bei verschiedenen Praktikas oder auch im privaten Umfeld. Expliziter damit beschäftigt, habe ich mich aber erst an Uni. Dort sind diese Themen in verschiedenen Seminaren immer wieder Bestandteil.

M: Wird sich in deinem aktuellen Studium mit diesen Themen auseinandergesetzt? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

J: Ich würde sagen, dass sich definitiv am meiner Uni damit auseinandergesetzt wird und zwar in verschiedensten Seminaren und Vorlesungen. Ich habe den Eindruck, dass es einen großen Teil an Dozierenden gibt, die dies bewusst immer wieder mit einbauen und eine Sensibilität für die Thematik aktiv fördern.

M: Könntest du mir ein Beispiel nennen, an dem du erkannt hast wieso die Auseinandersetzung mit Geschlechterforschung und/ oder Intersektionalität und den Themen deines Studiengangs wichtig ist?

J: In meinem Studium geht es ja in erster Linie um Menschen. Es geht darum mit verschiedenen Menschen aus unterschiedlichsten Lebenssituationen kommend zu arbeiten und zu unterstützen. Daher ist die Auseinandersetzung damit zwingend notwendig, denn nur so kann man richtige Unterstützungsformen wählen, gegen Ungerechtigkeiten und Diskriminierung politisch werden und Menschen auch wirklich in ihrer gesamten Lebensrealität sehen. 

Die Wichtgkeit des Themas Intersektionaliät in diesem Kontext fällt mir z.B. bei dem Thema Menschen mit Behinderung immer wieder auf.

M: Welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

J: Ich denke, dass eine Auseinandersetzung und ein Bewusstsein für diese Themen in jedem Studiengang wichtig ist. Die Thematik ist ja Professionsübergreifend und betrifft alle Menschen. Daher ist es auch ganz egal in welchen Bereich man später oder aktuell arbeitet oder welches Fach man studiert. Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Thema, das ja außerdem auch in jedem Bereich wiederzufinden ist (z.B. im Beruf, Bildung,..) Wenn sich zudem Dinge auch wirklich ändern sollen, dann muss ein Bewusstsein und eine Aufmerksamkeit für diese Themen geschaffen werden und dafür ist es sehr sinnvoll in allen Bereichen schon während des Studiums Menschen dafür zu sensibilisieren.

M: Der Mehrwert eine Implementierung ist also dass sich Dinge ändern und ein Bewusstsein geschaffen wird. Könntest du das konkretisieren? Wie sähe eine Veränderung aus?

Bezogen auf die Soziale Arbeit und/oder Universitäten im allgemeinen

J: Eine Veränderung sähe für mich erstmal so aus, dass sich das Denken von Menschen ändert, durch zusätzliches Wissen (zu den Themen Gender Studies, Intersektionalität,...) und dass sie dadurch z.B. erkennen in welchen gesellschaftlichen Machtverhältnisse sie leben und worauf diese begründet sind. Gerade in der Sozialen Arbeit (aber auch in allen anderen Bereichen) ist es einfach sehr wichtig, soziale Konstrukte zu erkennen und sich diese bewusst zu machen, um so Diskriminierung effektiv zu bekämpfen.

M: Auf welchen Ebenen wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden…

J: Ich finde, dass die Beispiele die du dort aufgezählt hast alle sehr sinnvoll klingen. Ich denke aber, dass es besonders wichtig ist, dass diese Auseinandersetzung auch ganz praktisch an der Uni vollzogen wird (z.B. durch das Miteinander der Dozierenden und Studierenden). Am Ende bringt es nämlich absolut keinen Mehrwert, wenn es sich bei der Auseinandersetzung dieser Themen nur um theoretische Seminar-Ansätze handelt, die nicht in der Praxis angewandt werden.

M: Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

J: Sie können dafür sorgen, ein gesamtheitlicheres und realtätsbezogenes Bild von Lebenssituationen zu erkennen und somit, als zukünftige Sozialarbeitende, Menschen besser unterstützen zu können.

M: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation des MvBZs haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren. 

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben.

Eure Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und euch vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch euch bestätigt. Ist das so für dich in Ordnung?

L: Ja passt alles :)

M: Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

L: Ich studiere Jura an der HU, zur Zeit im 6. Semester.

M: Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

L: Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit Diskriminierungsformen und Machtsrukturen aller art. Hauptsächlich privat durch politische Arbeit oder Bücher, im Studium bisher wenig.

M: Wird sich in deinem aktuellen Studium mit diesen Themen auseinandergesetzt? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

L: Jura ist nicht bekannt für kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Themen, würde ich sagen. Das gesamte Studium ist für mich eher darauf ausgerichtet gesellschaftliche Missstände aufrecht zu erhalten, als diese zu bekämpfen, was auch Sinn macht, wenn mensch sich anguckt wer größtenteils Jura studiert und genau davon profitiert. Entsprechend findet wenig Auseinandersetzung statt, vereinzelt bieten Unis mittlerweile Antidiskriminierungsrecht oder Geschlechtergerechtigkeit als Seminare an, aber von einem intersektionalen Ansatz ist das weit entfernt.

Was alles nicht bedeuten soll, dass Jura sich nicht mit Themen auseinandersetzt bei denen eine intersektionale und diskriminierungskritischw Sichtweise relevant wäre, eher im Gegenteil: Jura beschäftigt sich durchweg mit gesellschaftsrelevanten Themen und durch die einseitig weiße cis het, zumeist männliche Perspektive die wir dabei einnehmen geht die Möglichkeit ein gerechteres Rechtssystem zu schaffen verloren.

M: Hat deine private Beschäftigung mit Diskriminierungsformen und Machtstrukturen deine Sicht auf dein Studium geändert? Oder beispielsweise dazu geführt, dass du während des Studiums einen bestimmten Schwerpunkt gelegt hast?

L: Meine private Beschäftigung mit diesen Themen hat dazu geführt, dass ich meine Lohnarbeit in diesem Bereich suche und zumindest am Anfang auch noch versucht habe das mit Jura zu verbinden. Langsam aber sicher werde ich aber doch eher desillusioniert, Uni Strukturen geben einfach selten den Raum um wirklich Veränderung zu bewirken.

Meine Sicht auf mein Studium hat meine private Beschäftigung mit diesen Themen insofern verändert als dass ich viele problematische Inhalte bemerke, mich auch gegen sie wehre, aber auch dazu dass ich mich einsam fühle. Im Jurastudium verbündete zu finden gestaltet sich für mich schwerer als ich zunächst dachte.

M: In den Interviews des MvBZs wird fachspezifisch bei Jura nach dem Zusammenhang zwischen Verfassungsrecht und Gender gefragt. Gab es ein Urteil oder einen Fall der diesbezüglich für dich besonders spannend oder wichtig war? Vielleicht ein Urteil, welches genau zeigt, dass eine Verbindung wichtig ist?

L: Ein Urteil fällt mir dazu nicht ein, aber Urteile rund um das Thema Femizide sind finde ich im Hinblick auf intersektionalität im Rechtssystem extrem relevant und zeigen recht spezifisch auf, wie race und gender häufig nicht zusammengedacht, sondern gegeneinander ausgespielt werden. Spezifisch erinnere ich mich dabei an ein Urteil, in dem ein Mann für Mord verurteilt wurde, in der Regel gilt bei femiziddn eher das Urteil totschlag, das deutlich sachter ist. Grob zusammengefasst wurde entschieden, dass der Mann aus nideren Beweggründen getötet hatte, mit Verweis darauf dass es sich um einen „Ehrenmord“ gehandelt hätte (dass es sich dabei um ein rassistisches Konstrukt handelt wurde selbstverständlich in kleinster Weise beleuchtet). Bei weißen Männern gilt Eifersucht oder Ähnliches im Kontrast als nachvollziehbarer Tötungsgrund, Mord ist entsprechend ausgeschlossen.

M: Danke, es wird also deutlich, dass eine Auseinandersetzung mit Gender und Intersektionalität im Jurastudium relevant ist. 

Welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

L: Ich muss ehrlich sagen, ich kann dir auf diese Frage gerade keine zufriedenstellende Antwort geben. Über die Jahre habe ich meinen Glauben an Uni als System eher verloren und den Eindruck gewonnen, dass Uni hauptsächlich dafür da ist Machtstrukturen aufrecht zu erhalten und sich möglichst elitär zu gestalten. Natürlich ist es mir trotzdem wichtig Uni kritischer zu gestalten, mehr Menschen mitzudenken und auch mehr Menschen in Entscheidungsprozesse usw zu inkludieren. Aber die Hoffnung dass Uni tatsächlich zu mehr Gerechtigkeit führen kann, bleibt bei mir aus.

M: Auf welchen Ebenen wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um an den universitären Strukturen Veränderungen zu erreichen? Damit meine ich weniger Uni als System, sondern mehr bezogen auf den zweiten Teil deiner Antwort. Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden…

L: Auf Uni allgemein lässt sich das aus meinem Wissensstand schwer beantworten, aber auf Jura bezogen: es bräuchte kritische Lehrinhalte, einen überarbeiteten syllabus, neues Lehrpersonal, keinen NC, die Möglichkeit zu studieren und gleichzeitig zu arbeiten ohne direkt von den Mitstudent*innen abgehängt zu werden,  Jura sollte ingesamt mehr auf kritisch denken und eigene Meinungen bilden ausgelegt werden und weniger darauf, bestehende Systeme aufrecht zu erhalten.

M: Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

L: Würden intersektional das praktizierte gender Studies tatsächlich konsequent in meinen Studiengang eingebaut werden, dann würde das das gesamte System der Rechtswissenschaften positiv auf den Kopf stellen.

T: Nochmal zum Projekt: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können.

Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation des MvBZs haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren.

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben.

Ich stelle dir jetzt einige Fragen und wir würden die Antworten anonymsiert veröffentlichen. Bevor wir sie weiterverarbeiten, würden wir dir die Ergebnisse noch einmal zeigen. Ist das soweit in Ordnung?

J: Ja, alright!

T: Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

J: Ich studiere aktuell Physik an der FU im achten Semester.

T: Okay, super! Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

J: Ich habe einiges dazu im Internet gelesen (Social Media, Foren, Erfahrungsberichte, politischer Content etc.), mich allerdings nicht auf tiefergehender theoretischer (akademischer) Ebene damit befasst. Im Rahmen des Studiums gab es auf der Erstifahrt ein paar Workshops zu genderspezifischen Themen, die ich besucht habe.

T:  Und wird sich seitdem in deinem Studium mit diesen Themen auseinandergesetzt? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

J: Es gibt einerseits im Rahmen der Fachschaft seit einigen Jahren jeden Semesterstart eine kritische Einführungswoche mit Veranstaltungen zu unter anderem Gender & Diversität an der Uni, queeren sowie neurodiversen Realitäten, Feminismus und kritischer Wissenschaftsforschung. (—> @Phlynta auf Instagram).

Darüber hinaus werden im Rahmen des Moduls „Präsentationstechniken“ (Erarbeitung/Präsentation von ausgewählten Themen mit Bezug zur Physik im weiteren Sinne zur Vorbereitung auf die Präsentation der Bachelorarbeit) Seminare im Rahmen des ABV zu zum Beispiel „unsichtbare Physiker*innen“ (Thema Unterdrückung/Nicht-Anerkennung wissenschaftlicher Leistungen nicht cis-männlicher Forschender innerhalb der Physik in der Vergangenheit) oder kritischer Wissenschaftforschung angeboten. (Mehr Infos zu einer Arbeitsgruppe mit dem Thema Gelder Studies im Rahmen der Physik gibt es hier: https://www.physik.fu-berlin.de/en/einrichtungen/ag/ag-erlemann/index.html)

Dennoch bleibt anzumerken, dass all diese Veranstaltungen rein optional sind. Abseits eines grundsätzlichen Vermerks in der Studienordnung zur allgemeinen Sensibilisierung der Studierenden bezüglich genderspezifischer Themen fehlt es an konkret verpflichtenden Veranstaltungen zum Thema.

T: Okay, danke dir für die Antwort. Aufgrund dessen was du gerade gesagt hast, was denkst du - welchen Mehrwert die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur im Physik Studium, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben kann?

J: Ein Mehrwert wäre bestimmt der Abbau von Machtstrukturen und Diskriminierung und eine Verbesserung der Forschung durch erleichterten Zugang zu Strukturen

T: Auf welchen Ebenen denkst du wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden...

J:  Ich denke das Aufstellen von Verhaltenskodex im Umgang mit genderspezifischen/diskriminierungsbetroffenen Themen, Verpflichtende Schulungen für Lehrpersonal, mehr Module und informelle Veranstaltungen zum Thema (letzteres ist schon relativ gut vertreten) wären hilfreich. 

T: Freut mich zu hören, das es hinsichtlich eines Aspektes schon Angebote gibt. Wenn du jetzt versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen: Was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

J: Einen Abbau verfestigter Denkstrukturen und Diskriminierung innerhalb der Forschung und Forschungsstrukturen innerhalb der Physik

T: Und was denkst du, jetzt noch einmal aufbezogen, wie lassen sich Geschlecht oder ander Kategorien sozialer Ungleichheit und Naturwissenschaften für dich verbinden?

J: Gerade in der Physik, aber auch teilweise anderen Naturwissenschaften herrscht nach wie vor ein sehr hoher Männeranteil im Studium, was sicherlich stark mit dem Selbstverständnis/der Barrierefreiheit (im Rahmen von Alltagsvereinbarkeit/Konkurrenzdenkens/Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppen/Forschung) der Wissenschaft auf diesem Gebiet an sich zusammenhängt. Hier könnte ein Umdenken zu positivem strukturellen Wandel führen. 

T: Super, danke dir für die Antworten!

J: Klar :) wenn du noch irgendwelche Fragen hast zu was konkret hau raus

T: So, erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

F: Ich studiere momentan einen Master an der ASH Berlin, namens Soziale Arbeit - Community stand diversity studies. Davor habe ich einen BA an der FU Berlin in Sozial und kulturanthropologie im Hauptfach sowie Politikwissenschaften im Nebenfach gemacht von WiSe 2017/18 bis SoSe 2022 (immatrikuliert bis Wise 2022/23 lol)

T: Ah ich wusste garnicht das du den Master machst. Falls das nicht doof ist - kannst du das aus ner kulturantropologir Perspektive beantworten?

F: Ja Safe! Geht ja um mein Studium an der Fu eh oder? Also werde das eh nur aus anthro Perspektive beantworten keine Sorge :)

T: Super, danke dir. Ich habe ja in der Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

F: „Solche Themen“ waren integraler Bestandteil meines Anthropologiestudiums. Die Intensität des Umgangs der jeweiligen Themen war jedoch abhängig davon welche Kurse mensch gewählt hat. Das Anthropolgiestudium habe ich zudem gewählt weil ich wusste, dass es sich mit solchen Themen auseinandersetzt. Zuvor waren meine Berührungspunkte damit vor allem Vor- und Nachbereitungsseminare durch mein Auslandsfsj (sehr fragwürdig, aber die Seminare waren krass was Reflexion von Neokolonialen Strukturen der „Entwicklungshilfe“ und Rassismus anging!) ansonsten war es wirklich im Studium wo ich mit allem mehr auseinandergesetzt habe. Und dann halt Interesse da und dann ich extern von Uni. In den PoWi Seminaren war es aber im Nebenfach komplett möglich jegliche Berührung mit Strukturanalysen in Bezug auf Macht, Race class Gender ableism etc. zu umgehen.

T: Okay, spannend das da so ein Unterschied herrscht. Und wie war das Angebot bei Anthropologie? Findest du es gab genug Möglichkeiten zur Auseinandersetzung und wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

F: Also es gab schon viel zur Auswahl bei Anthropologie, aber eher in den Wahlmodulen und weniger im Pflichtbereich, was darauf hinauslief bei mir beispielsweise, dass ich vieles gemacht habe, was ich halt musste und weniger die coolen Angebote nutzen konnte… also ist auch einfach Anfängerinnenfehler, weil ich am Anfang noch so krank durchgezogen habe und alles so schnell wie möglich machen wollte, und dann oft pflichtmodule gemacht habe die halt weniger kritisch waren, als dann mehr wahlmodule, die spannender waren. Aber wenn man unter Zeitdruck steht, dann kommt man auch weniger in Berührung in kritischen Seminaren. Und am Ende gab es auch bei den kritischen immer noch viel auszusetzen. Also Auswahl bzw. Angebot hätte schon besser und größer und integrierter in den Pflichtbereich sein können.

T: Okay, spannend. Was würdest du denn sagen, welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

F: In meinen Augen hat jedes Fach, welches sich nicht mit solchen Themen auseinandersetzt ein Defizit. Am Ende ist auch Mathe genau so betroffen bzw reproduziert gesellschaftliche Diskrimierungsstrukturen, alleine schon durch die Strukturen der Uni (Lehrstuhlbesetzung, curriculum, syllabus, Lehrplan,…) und die Lehrkräfte, die sich nicht mit solchen Themen auseinandersetzen sind dann genau so reproduzierend. Wenn es wirklich darum geht diskriminierende Strukturen aufzubrechen, dann müsste ein kritischer Blick überall in der Lehre verankert sein. Das wäre der Mehrwert. Aber nur wenn das beabsichtigt ist I guess…

T: Ja true. Vielleicht daran anschließend, auf welchen Ebenen denkst du wäre denn eine Veränderung nötig, um diskriminierende Strukturen aufzubrechen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden…

F: Fangfrage ;) aber ja halt überall Leute was geht!? Wenn wir die Uni als ort der Wissensproduktion sehen, der als Teil einer Liberation gesehen werden soll und Nicht als weitere Institution die globale und lokale Machtstrukturen aufrecht erhält, dann muss das ganze Ding mal umgekrempelt werden…

T: Und wenn du das jetzt zusammenfassen müsstest und in einen prägnanten Satz zu packen: Was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

F: Intersektional praktizierte Gender studies könnten zu einem grundlegenden Hinterfragen der Strukturen des Faches und der Uni im allgemeinen beitragen, was inshallah zur Folge hat, dass diese Strukturen radikal verändert werden.

C: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation des MvBZs haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren.

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben. Eure Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und euch vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch euch bestätigt. Ist das so für dich in Ordnung?

H: Ja :)

[Welche Frage genau soll ich dann beantworten?]

C: [Ich schicke dir die Fragen nach und nach, wie in einem normalen Interview.]

Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

H: [Ah ok !]

6. Semester BA Philosophie an der FU

Also fast fertig

C: Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

H: Im Studium schon relativ viel, vorallem so feministische Erkenntnistheorie und Wissenschaftskritik, da geht es um die Verstrickung von sozialen Machtstrukturen und Wissen(Schaft) und auch in meinem Nebenfach PoWi Hans (C: gab’s) da viele Seminare zu

Und studienextern eher so in politischen/aktivistischen Kontexten, zB war ich auch beim asta im anti Referat (agender nonbinary Trans Inter) und sonst halt privat weil es mich einfach interessiert… also einfach Bücher, Podcasts, Popkultur zu dem Thema

C: Du hast geschrieben, dass sich in deinem aktuellen Studium damit auseinandergesetzt wird. Wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

H: Ja, könnten schon noch mehr seminarangebote in die Richtung sein… bzw. Ich hab das Gefühl es gibt sehr gute spezialisierte Seminare die sich nischig damit auseinander setzten aber in den großen Einführungsvorlesungen usw. Fehlt das Thema gender meistens ganz… also ich fände es cool wenn das immer mitberücksichtigen wird und nicht nur manchmal in bestimmten Veranstaltungen

Allgemein glaub ich die FU ist da eig noch ganz gut dabei im Vergleich zu anderen Unis

C: Welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen deiner Meinung nach nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

H: Also allgemein auf wissenschaftlicher Ebene ist es wichtig und hilfreich Studieninhalte auch sozial und historisch zu konzeptualisieren und zu gucken was für Konzepte von gender da zB dahinter stehen weil ja kein Wissen im luftleeren Raum schwebt

Und es kann auch empowernd sein

C: Hast du dazu konkret für das Fach Philosophie noch andere Gedanken, die du gern teilen möchtest?

Ja, vielleicht könnte man so genderspezifische Perspektiven auch in Organisatorische Aspekte der Studiums einbringen/ wie Seminare gestaltet sind, um die auch zugänglicher zu machen. 

Z.B. dass zu Beginn des Semesters nach bevorzugten Pronomen gefragt wird oder auch dass reflektiert wird, wer sich im Seminar überhaupt traut, was zu sagen/ darauf geachtet wird dass nicht immer nur cis Typen mega viel Raum bekommen für ihre Wortmeldungen

Und (das hat jetzt nicht nur was mit gender zu tun) dass nicht von den dozierenden so Voraussetzungen gemacht werden wie zB „wie sie ja sicher alle wissen“

C: Damit gehst du auch schon in die Richtung unserer nächsten Frage.

Auf welchen Ebenen wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden, etc.

H: Ja genau in allen Punkten

Auch dass Namensänderungen möglich sind auf uni Formularen wäre wichtig

Und mehr all gender Toiletten

C: Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

H: [Oooh sorry hab jetzt vergessen das gestern zu beantworten

Tut mir leid falls das jetzt den Zeitplan durcheinander bringt]

Hm — vielleicht sowas, dass Sachen nicht nur theoretisch reflektiert sondern auch in der konkreten Wissenschaftspraxis konsequent umgesetzt werden

C: [Kein Problem, wir sind relativ flexibel :)]

Und das war auch schon die letzte Frage. Falls du nicht noch etwas anderes ergänzen nöchtest, sind wir also fertig. Vielen Dank fürs Mitmachen, ich melde mich dann nach unserer Auswertung usw nochmal bei dir.

J: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren.

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben.

Deine Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und dir vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch dich bestätigt. Ist das so okay für dich?

F: Ist okay

J: Wunderbar. Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

F: Ich studiere Politikwissenschaften (Kernfach) und Deutsch (Nebenfach) im 4.Mastersemester an der FU Berlin

J: Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

F: Studienintern habe ich mich kaum bis gar nicht mit Thema Gender Studies beschäftigt. Studienextern geringfügig über Hochschulgruppen an der FU, sowie in Freundeskreisen. Hier meistens in Form von Workshops und Diskussionsrunden

J: Beziehst du dich in deiner Antwort spezifisch auf das Fach "Gender Studies/Intersektionalität" oder die Inhalte allgemein?

F: Oh , da war ich sprachlich unklar, sorry. Ich beziehe mich auf den Themenkomplex

J: Wird sich denn in deinem aktuellen Studium mit diesen Themen auseinandergesetzt? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

F: Es gibt in einem Teilbereich meines Studiums die Möglichkeit ein Wahlmodul mit 10 LP mit dem Themenbereich Gender zu füllen. Ich finde das in Ordnung so wie es ist und würde daran festhalten.

J: Was denkst du, welchen Mehrwert die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben kann?

F: Da das Geschlecht in vielen Teilgebieten unseres Lebens eine Bedeutung hat und Einfluss auf unser Handeln und unser Empfinden hat ist es notwendig in unterschiedlichen Fachbereichen Geschlechter mitzudenken, damit auch alle gesellschaftlichen Gruppen mitgedacht werden. Notwendigkeit für gerechtere Zukunft

J: Auf welchen Ebenen wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden...

F: Im Uni Präsidium als oberste Instanz mit Richtlinienkompetenz und als Ansprache an alle Beteiligten an der FU. Bei den Institutsleiter:innen. Verantwortlich für die Auseinandersetzung mit den Themen. In den studentischen Gremien wie das Stupa (Geschäftsordnung).

J: Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, studierst du ja auf Lehramt? Welche Rolle denkst du, kann oder sollte eine Auseinandersetzung mit Machtstrukturen speziell im Lehramtsstudiums haben? Warum ist das wichtig für angehende Lehrende?

F:Um missbrauch präventiv zu vermeiden. Zwischen lehrenden und SuS existiert ein starkes Machtgefälle, welches Potential für Machtmissbrauch bietet. Mögliche Themenbereiche sollten sein: Wie gehe ich verantwortungsvoll mit meiner Macht um. Wie erkenne ich diskriminierendes Verhalten. Wie gehe ich damit um bzw wie gehe ich mit Kolleginnen um die sich auffällig verhalten.

F: Oder um es zusammenzufassen: der Umgang mit Schutzbefohlene braucht Sensibilität

J: Eine letzte Frage noch: Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

F: Da brauch ich ein paar Minuten

J: klar nimmt dir Zeit :)

F: Mehr Intersektionalität könnte den Unterricht diskriminierungsarmer werden lassen, was das Demokratieverständnis der SuS stärken kann.

J: Danke dir. Das wars auch schon :)

F: Gerne :) SuS -Schülerinnen und Schüler

J: haha hab ich mir gedacht. aber musste auch kurz überlegen ;)

J: ich würde dir dann nochmal das Endergebnis zur Abnahme schichen

F: Vlt hier nochmal spezifischer auf Gender studies: Mehr Intersektionalität könnte den Unterricht diskriminierungsarmer werden lassen, was das Verständnis für Geschlechtergerechtigkeit der SuS stärken kann. 

J: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren.
Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben.

Deine Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und dir vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch dich bestätigt. Ist das so okay für dich?

O: Ja.

J: ok perfekt. Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

O: Ich studiere Humanmedizin an der Charité in Berlin. Ich bin im 10. Fachsemester und werde dieses Semester mein 2. Staatsexamen schreiben.

J: Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

O: Viel. Ich habe vor dem Medizinstudium Philosophie und Kulturwissenschaft in Berlin im Kombibachelor studiert und im Rahmen dieses Studiums ging es viel um Fragen der strukturellen Diskrimierung und Macht-/Herrschaftsverhältnisse. Darüber hinaus bin ich seit einigen Jahren in linken/linksradikalen Gruppen politisch organisiert - auch in diesen Zusammenhängen geht es auf einer theoretischen, aber vor allem auch praktischen Ebene um Diskriminierungsformen und ihre Überwindung.

J: Wird sich in deinem aktuellen Studium mit diesen Themen auseinandergesetzt? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

O: Im Medizinstudium kommt das Thema viel zu kurz. Es gibt ein Modul im 6. Semester, in dem es um "geschlechtsspezifische Erkrankungen" und damit zusammenhängend auch Gender-bezogene Themen geht. Allerdings ist die Auseinandersetzung mit der Thematik Trans, um ein Beispiel zu nennen, selbst sehr diskriminierend und von transfeindlichen Strukturen/Denkweisen durchzogen.

Eine Auseinandersetzung mit einer machtkritischen Perspektive auf Medizin im Kontext von Gesellschaft, wie Diskriminierungsstrukturen unser Nachdenken über und unser Handeln als Ärzt*innen/medizinisches Personal etc. prägen gibt es (fast) gar nicht.

Und wenn doch, dann oftmals eher durch/über studentische Initiativen (wie beispielsweise ein von Studis initiiertes Tutorium).

J: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, beschäftigst du dich in deiner Doktorarbeit mit dem Thema Abtreibung. Willst du ganz kurz in zwei Sätzen sagen, was genau dein Thema ist und welchen Beitrag denkst du, könnten und sollten Gender Studies, aber auch intersektionale Studien in diesem Bereich leisten? Und warum ist das wichtig?

O: Abtreibung ist sowieso ein wichtiges Thema in dem Kontext, gut, dass du es ansprichst! Im Curriculum lernen wir nichts zum Thema, welche MEthoden es gibt, wie Abtreibungen medizinisch funktionieren/gemacht werden und das, obwohl es sich dabei um den am häufgisten durchgeführten gynäkologischen Eingriff überhaupt handelt. Das nur als Sidenote.

Ja, ich beschäftige mich in meiner Doktorarbeit mit der Frage, wie psychisch kranke Personen, die eine Abtreibung hattem, nicht nur in puncto psychische Erkrankung, sondern eben auch im Hinblick auf ihre Abtreibung, Stigmatisierung erfahren.

Die selbstbestimmte Entscheidung über den Abbruch oder die Fortführung einer Schwangerschaft ist in so vielerlei Hinsicht von immenser Bedeutung, gesellschaftspolitisch, medinisch, aber eben auch für die Forschung. Um diese Entscheidung selbstbestimmt und sicher treffen zu können, bruacht es nicht nur die Überwindung eines Klimas der Stigmatisierung, eines sofortigen Streichens dieses Eingriffs aus dem StGB, weitergehende Forschung für eine stete Verbesserung des medizinschen Procederes (es gibt bis dato z.B. noch keine festgelegte medizinische Leitlinie, was unglaublich ist!), sondern auch eine Überwindung derjenigen Strukturen, die schwangeren Personen ihre Selbstbetsimmung in der Entscheidung, ob sie die Schwangerschaft fortsetzen oder abbrechen wollen, zu nehmen versuchen. Das heißt sowohl z.B. einen Rassismus, der nicht-weiß positionierten Personen "nahelegt", sie sollen die Schwangerschaft abbrechen, als auch Diskurse/Institutionen/Staat etc., der Menschen verbietet, ihre Schwangerschaft zu beenden.

(ähm sorry, übelst schnell runtergeschrieben und auch bisschen an der eiegentlichen frage vorbei, befürchte ich)

Konkret sollten Gender Studies versuchen, einerseits diejenigen Diskurse sichtbar zu machen und zu analysieren, die dazu beitragen, diese auf vielerlei Weise unterlaufene Selbstbestimmung zu  unterminieren, als auch sich um die Zusammenarbeit mit anderen Diszipilinen bemühen (Medizin, Recht...), da dieses Thema ein gutes Beispiel für die Mehrdimensionalität ist, welche Transdisziplinäres Forschen/Fragen/Denken notwendig machen.

J: Auf welchen Ebenen, denkst du, wäre es dementsprechend nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden...

O: ÜBERALL 

ernst gemeint - auf allen Ebenen. Und in deiner Frage steckt ein entscheidender Punkt: Es muss um mehr gehen, als eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema.

Gleichzeitig finde ich es entshceidend, dass man sich der Grenzen des Intersektionalitäts-Begriffs bewusst wird.

Solange wir grundlegende Macht-/Herrschaftsstrukturen nicht verändern (können), die unser gesellschaftliches Miteinander entscheidend bestimmen (Produktions- und Reproduktionsverhältnisse --> Kapitalitmus), wird das Ringen um die Implementierung intersektionaler Perspektiven und das Bemühen, Diskriminierung möglicht klein zu halten, immer an Grenzen stoßen. (Was nicht heißt, dass wir dieses Ringen nicht auf uns nehmen sollten, aber unser Wirken sollte immer zum Ziel haben, diese grundsätzliche kapitalitische Verfasstheit zu überwinden).

J: Was denkst du, welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

O: Ähnlich, wie in meiner letzten Antwort würde ich sagen: Es hat einen großen Mehrwert und es hat klare Grenzen. Worüber wir hier sprechen, ist ja letztlich Bewusstseinsarbeit/Ideologische Schulung oder more bougie said: Bidlung. Als Personen, die sich viel mit diesen Themen auseinandersetzen, tendieren wir manchmal dazu, zu vergessen, wie wichtig diese Arbeit ist. Gleichzeitig ist die Tatsache, dass Herrschaftsverhältnisse, wie wir sie sehen, so unglaublich beständig sind, natürlich auch keine reine Bewusstseinsfrage. Ich denke, wir sollten also gleichzeitig Zeit und Energie darauf verwenden, "die Auseinandersetzung mit solchen Themen" zu verbreitern (gerne und unbedingt auch inneruniversitär), und zugleich darauf hinarbeiten, mehr als "Bewusstseinsarbeit" anzuvisieren und konkret Macht aufzbauen...

J: Dann noch eine letzte Frage: Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

O: puh, prägnante Sätze nicht mein Ding haha

warte, muss kurz nachdenken

Bestenfalls zur Ausbildung besserer Ärzt*innen beitragen, in dem Sinne, als dass die in der Medizin fast unhinterfragte Binarität von Geschlecht sowohl in der akademischen als auch praktischen/praktizierenden Auseinandersetzung sukzessive abgebaut wird und einem weniger zurichtenden Verständnis von Geschlecht Platz macht.

J: danke dir. Das wars auch schon :)

N: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation des MvBZs haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren.

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben. Eure Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und euch vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch euch bestätigt. Ist das so für dich in Ordnung?

S: Ah danke, ja ist ok, ich versuch das zu beantworten!

N: Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

S:Also ich studiere gerade Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung an der Technischen Universität Berlin

Und befinde mich in 4. Semester

N: Ich hab ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

S: Also mit Themen wie Gender und Race hab ich mich eigentlich schon immer beschäftigt, auch einfach Identitätsgebunden. Ich hab in der Schule bspw mal einen Vortrag über intersektionalität gehalten und später in der Oberstufe haben ein paar Leute und ich so etwas wie kleine Info/Aufklärungsstunden in 5. und 6. Klassen unserer Schule gehalten. Dabei gieng es vor allem im körperbilder und erwartete Schönheitsideale aber es wurden auch Themen wie transidentität angeschnitten. Ansonsten wurde immer viel mit Freund*innen über Vorallem Geschlecht geredet. In der Uni habe ich glaube ich vor allem dann in Seminarkontexten drüber geredet - also wenn inhaltlich bei Texten Verbindungen dazu gab zb.

N: Du hast ja schon gesagt, dass du dich im Studium vor allem selbst zu diesen Themen einbringst, aber gibt es in deinem Studium konkrete Angebote oder sonstige Möglichkeiten sich damit auseinanderzusetzen? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

S: Puh also finde ich schwierig zu sagen. Es gab immer mal wieder ein Seminar zu Geschlechterforschung weelches ich aber nicht besucht habe. Eigentlich gehört zum Studium auch Gendersoziologie aber da scheint es seit Jahren ein Problem der Besetzung zu geben deswegen wird es nicht angeboten. Das geht halt eigentlich nicht. Es gehört zum Studium eigentlich und ist ja auch ein wichtiger Themenkomplex. Ansonsten gibt es in einem Pflichtseminar erst seit ca 1 Jahr einen Text zu postkolonialismus. Das ist halt auch ziemlich spät. Außerdem war der Text den wir damals hatten nicht sehr gut. Aber das wollten sie dann wohl auch ändern, wir waren damals halt der erste Jahrgang der das gelesen hat. Also die Angebot können definitiv ausgebaut werden! Bzw es scheint auch welche zu geben die aber einfach nicht besetzt sind/angeboten werden können.

N: Super, danke für deine spannenden Antworten. Hättest du vielleicht noch ein konkretes Beispiel, an dem du erkannt hast wieso die Auseinandersetzung mit Geschlechterforschung und/ oder Intersektionalität und den Themen deines Studiengangs wichtig ist, außer, dass es natürlich echt viel zu spät ist, dass Themen wie Kolonialismus erst jetzt so langsam Eingang in die Uni haben? Und vielleicht auch welchen Mehrwert es deiner Meinung die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben kann?

S: Also konkret kann ich jetzt kein Beispiel nennen tatsächlich. Einfach grundsätzlich braucht es diese Themen, v.a. In den Geisteswissenschaften weil es da einfach hin gehört. Aber eben auch in anderen Gängen, vielleicht Vorallem solche fie eher immer noch Männerdominiert sind. Von denen gibt es ja auch einige an der TU. Und ich kenne von freundin dass es dort kaum bis keine Auseinandersetzung mit Geschlecht zb gibt oder generell ein kritisches auseinandersetzen mit den Themen.

N: Ich stelle dir dazu auch gleich die nächste Frage: Auf welchen Ebenen wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden…

S: Also auf jeden Fall in syllabus! Ich kenn mich selbst leider auch echt nicht so aus was Uniinterne Strukturen angeht. Aber ja also mehr Positionen oder Kontrollen(?) die dafür da sind das zwischen Studierenden und dozierenden/Professor*innen besser ist sind bestimmt nicht schlecht. Es gibt glaube auch immer noch ziemlich Probleme für weibliche/flinta Personen die eine Professur wollen oder so. Sich da durch zuschlagen ist glaube immer noch ziemlich ätzend weil es doch sehr Männer dominiert immer noch ist.

N: Und zuletzt wäre es noch super, wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

S: Intersektional praktizierte Gender Studies braucht es in jedem Studien und auf jeden Fall auch in der Soziologie da sie Strukturen die im Alltag immer auftreten in einen akademischen Kontext rücken können und dort sichtbar gemacht werden müssen.

Hoffe das passt so haha :D

N: Ja auf jeden Fall! Vielen vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast :)

C: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation des MvBZs haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren.

Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben. Eure Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und euch vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch euch bestätigt. Ist das so für dich in Ordnung?

A: hallo! ja das ist in Ordnung :)

C: Super! Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

A: Ich studiere den Master in interdisziplinäre Lateinamerikastudien an der Freien Universität Berlin und ich befinde mich im zweiten Semester

C: Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

A: ich persönlich habe Lohndiskriminierung gegen die indigene Bevölkerung in Guatemala für eine Hausarbeit rescheschiert. Bei uns am LAI (Latein Amerika Institut) spielen die Themen  Intersektionalität, Diskriminierung und Machtstrukturen eine große Rolle. Aufgrund der kolonialen Geschichte des Kontinents hat Diskriminierung einen großen Einfluss auf die Gesellschaft und Politik, wir führen oft Diskussionen über die Rolle der Diskriminierung, insbesondere gegenüber die indigenen Bevolkerung, Frauen und andere Minderheitengruppen.

C: Das heißt also, dass sich in deinem aktuellen Studium damit auseinandergesetzt wird. Wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

A: Es gibt mehrere Seminaren zur Auseinandersetzung mit diesen Themen. Ich denke nicht das etwas fehlt

C: Welchen Mehrwert siehst du in der Auseinandersetzung mit solchen Themen sowohl für deinen Studiengang als auch für alle anderen Studiengänge und Fachbereiche, d.h. fürs Studium generell?

[Am nächsten Tag: 

C: Hey A., ich will dich eigentlich ungern stressen, aber vielleicht hast du es ja auch einfach aus den Augen verloren. Meinst du, wir können das Interview heute fertig kriegen? :)

A: hey ja, sorry ich habe gestern den ganzen Tag gearbeitet, wie viele Fragen fehlen?

ich arbeite Heute auch, und habe Pläne nach der Arbeit, aber ich denke das kriegen wir hin]

A: Es ist wichtig, die Machtstrukturen und Ungleichheiten in der Welt zu erkennen, insbesondere wir, als Studierende in Deutschland, da wir uns in einem sehr privilegierten Land befinden. Vor allem für das LAI ist es notwendig, beim forschen sich zu positionieren und die Privilegien von Klasse, Ethnie, Rasse, Geschlecht usw. anzuerkennen, um nicht in koloniale, rassistische und diskriminierende Praktiken zu verfallen.

C: [Ah, alles klar. Wie gesagt, ich will auch eigentlich nicht stressen.

Es fehlen aber auch nur noch zwei Fragen :)]

Auf welchen Ebenen ist es deiner Ansicht nach nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden, etc.

A: Im LAI ist dies bereits umgesetzt. Ich habe Kurse besucht, in denen im Syllabus steht, dass wir die Ungleichheiten anerkennen und über die strukturellen Machtverhältnisse im Seminarraum reflektieren sollten (einschließlich der Dozenten). Für einen Kurs, den ich letztes Semester hatte, enthielt der Syllabus folgenden Absatz:

Reflexion der Unterrichtsdynamik: Wie jeder soziale Raum sind auch universitäre Kurse von Ungleichheiten durchzogen. Dieser Kurs ist darauf ausgerichtet, alle dazu anzuregen, über unsere Position in einer strukturell ungleichen Welt nachzudenken und das Seminarraum als Mikrokosmos dieser Welt zu betrachten. Wir erwarten eine offene, kooperative, respektvolle und rücksichtsvolle Interaktion.

In diesem Kurs und in einigen anderen wurde dies auch in der ersten Sitzung erwähnt. Ich finde, dass solche Maßnahmen den Dialog über diese Themen fördern, die Inklusion unterstützen und die Anerkennung von Ungleichheiten und Machtstrukturen fördern. Ich denke, dass alle anderen Studiengänge dies ebenfalls umsetzen sollten

C: Du hast schon super viele spannende Sachen geschrieben. Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

A: Die intersektional praktizierten Gender Studies fördern ein komplexeres Verständnis von Lateinamerika, ermöglichen die Analyse und Anerkennung von Machtstrukturen und Ungleichheiten in Bezug nicht nur auf Geschlecht, sondern auch auf Rasse und ethnische Zugehörigkeit. Sie fördern inklusive Perspektiven, schärfen das Bewusstsein für gesellschaftliche Diversität und Gerechtigkeit und bieten gleichzeitig einen Raum für kritische Reflexion und Forschung, um die Herausforderungen in der Region anzugehen.

C: Dankeschön fürs Mitmachen und für deine spannenden Antworten!

Ich melde mich auf jeden Fall bei dir, wenn alles augewertet wurde und wir mit der Kampagne weiter sind :)

J: Wir, als Studierende an der Freien Universität möchten mit unserem Projekt dazu beitragen, dass Fragen der Geschlechterforschung interdisziplinär in allen Fachbereichen diskutiert werden können. Im Rahmen von #4GenderStudies und eines Seminars zur Wissenschaftskommunikation haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie wir als Studierende den Umgang mit Gender Studies wahrnehmen. Dabei ist uns aufgefallen, dass Geschlechterperspektiven nicht nur tief im zivilgesellschaftlichen Aktivismus wurzeln, sondern gleichzeitig von interdisziplinären Auseinandersetzungen leben. Das bedeutet nicht nur, dass Geschlechterforschung überall ein Fokus sein sollte, sondern auch, dass sich Gender Studies nur durch interdisziplinäre Forschung weiterentwickeln können. Dabei wird die Kategorie Geschlecht nicht isoliert betrachtet, vielmehr sehen wir die Notwendigkeit, intersektional weitere Kategorien einzubinden (wie beispielsweise Klasse oder race) und diese in Machtstrukturen eingebettet zu analysieren und zu kritisieren.
Das MvBZ hat in einer neuen OpenMic Veranstaltung verschiedene Professor*innen gefragt, inwiefern Geschlechterforschung in ihren Fachbereichen von Bedeutung ist. Wir als Studierende möchten das Projekt weiterführen und die Studierenden dieser Fachbereiche ebenfalls dazu befragen. Denn obwohl wir natürlich auch der Meinung sind, dass Geschlechterforschung wichtig ist, muss es Angebote, Raum und Offenheit geben, um die Möglichkeit für Auseinandersetzungen zu haben.

Deine Antworten werden anonymisiert veröffentlicht und dir vor der Veröffentlichung nochmal gezeigt und durch dich bestätigt. Ist das so okay für dich?

S: Das ist okay !

J: Erstmal zu dir: Was studierst du zur Zeit und an welcher Hochschule oder Uni? Im wievielten Semester befindest du dich gerade?

S: Ich komme ins vierte Master Semester für Politikwissenschaften am OSI der FU Berlin :)

J: Ok. Wir haben ja in unserer Einleitung schon angesprochen, dass es uns in unserem Projekt um Gender Studies geht, dass aber nicht "nur" Geschlecht als Analysekategorie relevant ist, sondern auch andere Themen wie Intersektionalität, andere Diskriminierungsebenen und Machtstrukturen. Inwiefern hast du dich mit solchen Themen schon beschäftigt, ob studienintern oder -extern?

S: Ich habe mich schon damit beschäftigt sowohl in meiner politischen bildungsarbeit, da ich Workshops im Themenkomplex dekolonialismus, Polizei, Sicherheit, marxismus gebe als auch in meiner politischen Praxis innerhalb meiner Organisation, die migrantisch, antifaschistisch arbeitet.

J: Hast du dich auch studienintern damit beschäftigt?

S: Auch studienintern hatte ich einige Kurse bei Prof dr caglar, die diese Methode und Linse beinhaltete, wie einen Kurs mit Kritik daran

J: Wird sich in deinem aktuellen Studium mit diesen Themen auseinandergesetzt? Wenn ja, wie stehst du zur Anzahl der Angebote und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung? Wenn nein, fehlt etwas an der Auseinandersetzung?

S: In meinem Master wird sich nicht mehr viel damit auseinander gesetzt. In meinem Bachelor war das anders - der war auch noch kritischer. Der Master ist generell konservativer und hat weniger Angebot.

J: Prof Caglar hat im Rahmen der Open Mic Runde einen kleinen Vortrag gehalten.  Sie hat ihren Vortrag mit der Frage beendet: „Welche Frage wurde nicht gestellt? Was wurde warum ausgelassen?“ Welche Fragen würdest du sagen, werden in der Politikwissenschaft an der FU nicht gestellt, die du gerne selbst stellen würdest oder gerne hättest, dass sie andere stellen?

S: Ich würde mir wünschen, dass es mehr Fokus wieder auf Theorie geben würde, um kritisches Denken zu fördern, anstatt  empirisch Gegebenheiten anzunehmen.

Ich würde mir wünschen, dass wir uns mehr mit den uns unmittelbar umgebenden Protesten und Bewegungen auseinander setzen würden und lernen Bedingungen dieser Zeit einzuordnen: Aufrüstung, Pandemie, Aufstieg der AfD.

Außerdem würde ich mir darüber hinaus das pflegen einer diskussionskultur wünschen und das herausfordern jeweils anderer Positionen.

Warum es kein Angebot zu Polizei/ Polizeigewalt/ und ähnlichen Themenkomplexen gibt, ist mir ein Rätsel, gerade als staatliche Institution des Gewaltmonopols wüsste ich nicht was mehr an Relevanz geben könnte,  aber das liegt auch an meinem Themen Schwerpunkt :)

J: Welchen Mehrwert kann die Auseinandersetzung mit solchen Themen nicht nur in deinem Studiengang, sondern auch allen anderen Studiengängen und Fachbereichen, also fürs Studium generell, haben?

S: Sowohl euer genannter Ansatz der intersektionalität  wie das Fördern theoretischer Einordnungen ist für mich kein konkreter Gegenstand oder Inhalt sondern viel eher Art und Weise des Denkens und der Erarbeitung von Dingen. Ich denke diese Form des kritischen Denkens kann uns alle, egal welches Fach, voranberingen, da es sowohl Forschungsethik ausmacht wie kritisches Denken

J: Auf welchen Ebenen wäre es nötig, Intersektionalität und Auseinandersetzungen mit Machtstrukturen zu implementieren, um diesen Mehrwert zu erreichen? Also z.B. im Syllabus, in der Studiengangszulassung, im Miteinander zwischen Dozierenden und Studierenden...

S: Das kommt drauf an was man will….

Also ich glaube nicht, dass die Uni als staatsapparat in einer vermachten Welt auf einmal perfekt aka unvermachtet sein kann.

Dass es hier Ausschlüsse gibt liegt an der „Natur des Systems“.

Das macht Reformen aber nicht weniger notwendig. Deswegen finde ich es in erster Linie wichtig, es als Inhalt in den Kursen anzuvisieren, um kritisches Denken zu fördern, mit welchem die Studierenden auch andere Räume prägen können.

Sowohl im Syllabus wie in der Zulassung wäre es notwendig, vor allem würde ich aber Schulungen auch von Profs (nicht von Lehrbeauftragten, außer die bekommen das als entlohnte Arbeitszeit) einführen.

Die Normalisierung von intersektionalität an einer staatlichen Institution nimmt ihr teilweise auch ihr kritisches Potenzial. Deswegen gilt es dann wiederum mit intersektionalität gegen intersektionalität zu denken und weiter zu schauen:)

Vor allem gilt es auch zu Kategorien zu arbeiten, die insbesondere einschränkend für den Studien Alltag sein können: mentale Gesundheit wie studieren mit Kind sollten ernster in der Entlastung  genommen werden

J: Wenn du versuchen würdest, es in einen prägnanten Satz zu fassen, was können intersektional praktizierte Gender Studies positiv zu deinem Studiengang beitragen?

S: Sie können das politische dort benennen und analysieren, wo es ins private verbannt wird und damit die Politikwissenschaft neu denken.

Sie können die Vermachtung von Forschungsprojekten selbst greifen und damit Forschung verändern und lebensnäher gestalten.