Springe direkt zu Inhalt

Bericht über den Aktionstag gegen sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt an Hochschulen 2020

Fotocollage des SBDG-Aktionstag am 7.2.2020

Fotocollage des SBDG-Aktionstag am 7.2.2020
Bildquelle: Christian Demarco

Um 11h eröffnete die Vizepräsidentin der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Verena Blechinger-Talcott den Aktionstag im Foyer der Hörsäle 1a/1b in der Silberlaube. In ihrer persönlichen Rede ging sie auf eigene Erfahrungen mit sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt im Laufe ihrer Hochschullaufbahn ein und betonte die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit dem Thema an der Universität. Nach der Eröffnung der Ausstellung führten die Studierenden die „El violador en tu camino“-Performance des chilenischen Kollektivs Las Tesis auf, die nach studentischen Protesten viral gegangen war und in der Folge bereits in vielen Ländern aufgeführt worden ist. Auf das spanische Original folgte auch eine adaptierte Version für den deutschen Hochschulkontext. In einer weiteren Performance griffen Studierende Situationen aus dem Hochschulkontext kritisch auf, in denen sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt geschah und normalisiert wurde. Amanda Mitrovic Paniagua begeisterte den vollbesetzten Seminarraum in ihrem Vortrag mit ihrem Bericht zu studentischem Aktivismus in Chile. Sie kontextualisierte sein Entstehen im Neoliberalismus Chiles, gab einen Überblick über die Rechtslage zu sexualisierter Belästigung und Gewalt und ging dann insbesondere auf die 2016 erfolgte Gründung von COFEU (Coordinadora Feminista Universitaria) ein, einer nationalen studentischen Organisation, die sich u.a. für die Etablierung von sogenannten Protokollen einsetzt, die in Fällen sexualisierter Gewalt an Universitäten eingehalten werden sollen. COFEU spielte auch beim Feministischen Mai und den landesweiten Protesten in Chile seit Oktober 2019 eine starke Rolle, in deren Kontext die Performance „El violador in tu camino“ entstanden war. Die Ausstellung selbst war das Ergebnis der studentischen Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen zum Thema:

  • Was haben Hochschulstrukturen und die Verfasstheit der Institution Universität mit sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt zu tun?
  • Welche Rolle spielen asymmetrische Machtverhältnisse?
  • Wie ist der mediale Umgang mit dem Thema und wie spiegelt er die gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Gewaltform?
  • Wie gut ist das Phänomen sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt im Hochschulkontext erforscht?
  • Wie ist Rechtslage in Bezug auf sexualisierte Belästigung, Diskriminierung und Gewalt – im Strafrecht und im Hochschulkontext?
  • Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?

Die Studierenden hielten Erarbeitetes auf Plakaten fest, illustrierten Zahlen mit Kuchendiagrammen, boten einen Onlinequiz zur Wissensabfrage und eine „Wäscheleine“ zum Teilen von Erfahrungen an. In der den Aktionstag abschließenden Podiumsdiskussion „#MeToo und nun?“ diskutierten Wendy Stollberg, Referentin der zentralen Frauenbeauftragten als Vertreterin der bukof-Kommission „Sexualisierte Diskriminierung und Gewalt“, Brigitte Reysen-Kostudis, psychologische Beraterin in der ZE Studienberatung und psychologische Beratung, Theresa Lehmann, Studentin der Politikwissenschaft und Teilnehmerin des Seminars „#MeToo und die Universität“ sowie Dr. Tanja Wälty, MvBZ-Mitarbeiterin im transnationalen Forschungsprojekt „Perspectives and Discourses on Sexual Harassment in Higher Education Contexts“. Sie setzen sich mit der Frage nach dem Umgang mit sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt an Hochschulen auseinander, dem hartnäckigen Fortbestand der Problematik, den Gründen für größere Radikalität und Öffentlichkeit in anderen Ländern zu diesem Thema und den immer noch existierenden blinden Flecken. Die Diskutantinnen kamen zu dem Fazit, dass trotz aller Bemühungen Normalisierung und Tabuisierung sowie die Vorstellung von Universitäten als Orte, an denen dieses Phänomen nicht existiert, die Bearbeitung des Themas enorm erschweren und noch viel zu tun bleibt, um Hochschulen zu Orten zu machen, die frei von sexualisierter Belästigung, Diskriminierung und Gewalt sind.