Begriff und Politik. Perspektiven der Geschlechterforschung: „Postsäkularismus” (28. November 2019)

28.11.2019 | 18:00 - 20:00
„Begriff und Politik“, Wintersemester 2019/20

„Begriff und Politik“, Wintersemester 2019/20

In der Reihe „Politik und Begriff. Perspektiven der Geschlechterforschung“ lädt das Margherita-von-Brentano-Zentrum einmal pro Semester zu einem Vortrag mit Diskussion ein. Ausgehend von zentralen Begriffen der Geschlechterforschung, sollen die gegenwärtige Situation, gesellschaftspolitische Herausforderungen und zukünftige Perspektiven des Feldes diskutiert werden.


Vortrag im Wintersemester 2019/20

„Postsäkularismus“

Prof. Dr. Sabine Schülting, Institut für Englische Philologie

In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels im Jahr 2001 prägte Jürgen Habermas den Begriff der ‚postsäkularen Gesellschaft‘, um das Fortbestehen bzw. Wiederaufleben von Religionen bzw. religiösen Glaubensinhalten und Praktiken in den westlichen Gesellschaften der Gegenwart zu beschreiben. Zum Teil mit Bezug auf Habermas, zum Teil in Auseinandersetzung mit oder Kritik an ihm hat der so genannte post-secular turn westliche Säkularisierungsnarrative in Frage gestellt und die kulturelle Bedeutung von Religionen und Religiosität auch in der Moderne und Postmoderne in den Blick gerückt. Feminismus und Gender Studies haben diesen turn allerdings nur in Teilen mitvollzogen; insbesondere der radikale Feminismus beispielsweise der Femen-Aktivistinnen betrachtet islamische Kleiderordnungen als Beleg der Unterdrückung von Frauen im Islam, und Alice Schwarzer bezeichnete 2015 in der Emma das muslimische Kopftuch als „weltweit[es] Symbol für die Geschlechter-Apartheid.“ Solchen Perspektiven stehen neuere Arbeiten u.a. von Rosi Braidotti, Judith Butler, Saba Mahmood und Joan Wallach Scott gegenüber, die nach den Intersektionen von Geschlecht und Religion nicht zuletzt im Kontext der aktuellen Auseinandersetzungen zwischen westlicher und muslimischer Welt fragen. Der Vortrag will diese Debatten nachzeichnen; der Fokus liegt dabei auf den kontroversen Beiträgen von Feminismus und Gender Studies zu der Debatte um den Postsäkularismus wie auch auf den Implikationen der Debatte für die Geschlechterforschung.

Zeit & Ort

28.11.2019 | 18:00 - 20:00

Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45
Raum KL 29/235 („Rostlaube“)

Weitere Informationen

PD Dr. Susanne Lettow