Normierte Vielfalt: Wie technische Standards Diversität und Differenz (re-)produzieren
Dr. Tanja Kubes (links) und Dr. Matthias Schneider (rechts)
Bildquelle: Christian Demarco
Projektmitglieder:
Dr. Tanja Kubes (Fachbereich Physik, AG Erlemann/Wissenschaftsforschung), Dr. Matthias Schneider (Fachbereich Politik und Sozialwissenschaften, Arbeitsbereich Gender Studies)
Technische Normen wie DIN oder ISO strukturieren nahezu alle gesellschaftlichen Lebensbereiche – von Mobilität und Architektur bis zur digitalen Kommunikation. Obwohl sie als neutrale, zeitlose Regelwerke erscheinen, sind sie Produkte von Macht- und Wissenskämpfen und wirken als Soft Laws, ohne unmittelbar parlamentarisch-demokratisch legitimiert zu sein. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Normierte Vielfalt" untersucht erstmals systematisch, wie technische Normungsdokumente Verhältnisse von Diversität und Differenz repräsentieren, konstruieren oder unsichtbar machen. Im Zentrum stehen drei Forschungsfragen: In welchen der rund 35.000 deutschen Normen erscheinen Dimensionen wie Geschlecht, Sexualität, Alter, Behinderung, Race oder Nationalität explizit? Welche Menschenbilder, Körpernormen und Subjektpositionen werden dabei reproduziert, welche bleiben unsichtbar? Und welche intersektionalen Verschränkungen ergeben sich aus diesen ein- und ausschließenden Praktiken? Theoretisch verbindet das Projekt feministische Technikforschung und Critical Science and Technology Studies mit organisationssoziologischen Perspektiven auf Normen als partielle Organisationen. Methodisch erfolgt zunächst eine Kartierung des Normenbestands, anschließend eine qualitative Analyse mittels reflexiver Grounded Theory. Das Projekt öffnet damit ein bislang kaum erschlossenes Forschungsfeld für die Geschlechter- und Diversitätsforschung und legt den Grundstein für weiterführende Untersuchungen zur Entstehung und Wirkung technischer Standards.
