Gender Lunch Talks im Wintersemester 2018/19

Gender Lunch Talks Wintersemester 2018/19

Gender Lunch Talks Wintersemester 2018/19

Inputs


Do, 15.11.2018 (muss leider entfallen!)

Dr. Saskia Sell, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

Zeugenschaft und Geschlecht in digitalen Öffentlichkeiten

Wie wird in digitalen Öffentlichkeiten Geschlecht in der Subjektposition der Zeugenschaft hergestellt? Wessen Zeugnis und welche Art von Zeugnis wird mittels welcher diskursiven Praktiken als wahr und glaubwürdig dargestellt und medial weiterverbreitet? Wem und welcher Botschaft wird wie Glaubwürdigkeit abgesprochen? Fragen wie diesen widmet sich das hier vorgestellte Projekt. Es verbindet Perspektiven der Geschlechterforschung mit aktuellen Perspektiven der Journalismusforschung und der Medienethik. Als Prozess und als Praxis ermöglicht Zeugenschaft die diskursive Transformation von Ereignissen und Erfahrungen. Sie prägt unser Verständnis des Weltgeschehens. Durch die Übertragung von Zeugnissen findet eine Übertragung von Verantwortung statt.

Zeugenschaft informiert und appelliert, sie signalisiert Handlungsbedarf und ermöglicht Dokumentation als Grundlage für zukünftiges Handeln. Sie verunmöglicht Schutzbehauptungen, die empfundene Ohnmacht gegenüber gegenwärtigen Verhältnissen oder entfernten Gewaltakten erträglicher machen sollen, streicht das Wir-haben-all-das-ja-gar-nicht-gewusst aus dem Repertoire des Sagbaren. Testimonialwissenzirkuliert unter durch die Digitalisierung von Kommunikationsprozessen veränderten Bedingungen. Die Subjektposition der Zeugenschaft wird herausgefordert. Durch den Fokus auf diskursive Praktiken der Zuschreibung und Negierung glaubhafter Zeugenschaft im Journalismus und in sozialen Medien soll dieses Projekt zur Offenlegung von mit Geschlechterpositionierungen verbundenen Formen Epistemischer und Testimonialer Ungerechtigkeit (Miranda Fricker, 2007) beitragen.


Do, 13.12.2018

Dina Wahba, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft

A thug, a revolutionary or both? Negotiating masculinity in post-revolutionary Egypt

During the Egyptian revolution in 2011, the urban subaltern or popular forces have been at the heart of what constitutes ‘the people’ in the infamous slogan “the people demand the downfall of the regime” (Ismail 2013). During the 18 days of the revolution, around 100 police stations in popular quarters in Cairo were burned down. Official accounts reported this as the work of thugs ‘Baltagyya’. The question of who burned the police stations during the 18 days serve as an entry point to problematize the identity of ‘Baltagyya’ rather than simply posit them in opposition with ‘revolutionaries’. The revolutionary moment blurred the lines between who is a thug and who is a revolutionary. Since all protestors were outlaws, everyone became a thug. I argue that this was a moment of subversion and renegotiation of the affective dispositions of the urban poor. Hemmings (2005) argues that bodies are captured and held by affective structures. The revolutionary moment presented an opportunity of aggressive demarcation of bodies, which I believe is also embedded in disruptions to the gender order. As a reaction to the 25th of January revolution, several writers signaled a crisis in masculinity in the Middle East (Amar 2011). The same ideas flooded newspapers and were adopted by various analysts who claimed that what it means to be a man in Egypt is changing, and a new order of masculinity is emerging out of the Egyptian revolution. However, attempts to restore gender norms escalated to systematic violence against revolutionaries and women. Violence is one way to restore the gender order and reassert the system of domination (Connell 2001). Less than a month after the revolution, a clear message was conveyed to women, you are no longer needed, go back to your ascribed gender roles (Sholkamy 2011). Building on the above accounts, I believe that examining the gendered affective registers linked to the ‘Baltagy’ and the mechanics of their creation are essential in understanding local politics, the potential of the revolutionary moment and the urgency with which the state had to quickly reinstate the historical narrative of the ‘Baltagy’ as a dangerous criminal to justify mass violence, shift blame and speed urban transformation projects.


Do, 24.01.2019       

Jun.-Prof. Dr. Renata Campos Motta, Lateinamerika-Institut

Ernährungssouveränität als feministisches Thema

Die Aufnahme von Ernährungssouveräntität auf die politische Agenda von Frauenbewegungen ist ein wachsendes Forschungsthema. In Bezug auf die Dokumente der brasilianischen Marcha das Margaridas wird den Fragen nachgegangen, wie ein Thema, das traditionell nicht mit den Kernforderungen der Frauenbewegungen in Verbindung gebracht wird, sich auf deren Agenda etablierte und welche theoretischen und analytischen Werkzeuge der Geschlechterforschung angewandt werden können, um Ernährungssouveränität als feministische Frage zu interpretieren. Die Präsentation argumentiert, dass die feministische Ökonomie und die Kategorie der Arbeit entscheidend dafür sind, wie Ernährungssouveränität von Bäuerinnen und Landarbeiterinnen diskutiert wird und wie sie sich mit verschiedenen ökologischen Situationen und Umweltkonflikten auseinandersetzen. Die Bündnisse zwischen Feminismus, Gewerkschaftsbewegung und den Bewegungen der armen Landbevölkerung vermitteln ein Verständnis von Ernährungssouveränität als post-kapitalistisches und feministisches Projekt.