„Family across cultures. Neue Perspektiven auf eine globale Frühe Neuzeit“ (Projekttitel)

Forscherin: Jun.-Prof. Dr. Claudia Jarzebowski

Akteurszentrierte Perspektiven und der Blick auf Praktiken ermöglichen grundlegend neue Erkenntnisse über Familienpraktiken und über Möglichkeiten, Familie historisch zu denken. Mit dieser Herangehensweise soll das Verbürgerlichungs- und Kleinfamilienparadigma vom Kopf auf die Füße gestellt und als historische Konstruktion und letztlich als historisch nachvollzogen werden. Transkulturell wird das Projekt u.a. dadurch, dass Familienpraktiken erschlossen und diskutiert werden, die mehrere Kontinente oder „Kulturkontaktzonen“ umfassen, etwa Ostsibirien, Indien oder Batavia sowie Surinam, so dass gezeigt werden kann, wie transkulturell Familien in der Frühen Neuzeit aufgestellt waren und gehandelt haben. „Kulturell“ wird hier nicht als regionales Differenzkriterium (Europa – Afrika/Asien/Amerikas) verwendet, sondern vor allem als Indikator unterschiedlicher Herkunft/Zugehörigkeit und Selbst- sowie Fremdzuordnung (flexible affiliation) – regional, sozial, kulturell, religiös, politisch.

Zur Person: Claudia Jarzebowski hat sich 2014 mit einer Arbeit zu „Kindheit und Emotion. Kinder und ihre Lebenswelten in der europäischen Frühen Neuzeit“ an der FU Berlin am FB Geschichts- und Kulturwissenschaften habilitiert. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Frühen Neuzeit, der Historischen Emotionenforschung (transepochal) sowie der Sozial- und Kulturgeschichte. Ihr aktuelles Forschungsprojekt ist in der Globalgeschichte der Frühen Neuzeit angesiedelt und fragt im Anschluss an Natalie Zemon Davis’ Postulat von der „dezentrierenden Geschichtsschreibung“ nach der Bedeutung von Praktiken für die Gestaltung und Wahrnehmung einer sich globalisierenden Welt der Frühen Neuzeit. Jüngste Publikationen befassen sich mit transatlantischen Familienbeziehungen im 18. Jahrhundert, mit „Lieben und Herrschen“ im 16. Jahrhundert sowie mit dem Verhältnis von „Emotion and Narration“ in frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen. Sie ist derzeit Juniorprofessorin an der FU Berlin für die Geschichte der Frühen Neuzeit und Historische Emotionenforschung.

Geplanter Zeitplan:  November 2016 bis Oktober 2017

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